Ich schraube, also bin ich Teil IV: Der unaufgeklärte Konsument von Matthew B. Crawford Der promovierte Philosoph und ausgebildete Mechaniker Matthew B. Crawford tauschte Anzug gegen Blaumann und ist seitdem glücklicher. Heute erklärt er, welchen Informationsvorsprung der Handwerker gegenüber dem passiven Konsumenten hat. Da handwerkliches Können an objektiven Maßstäben gemessen wird, die nicht von uns selbst und unseren Wünschen festgelegt werden, widersetzt es sich der Konsumethik, wie der Soziologe Richard Sennett in seinem Buch Die Kultur des neuen Kapitalismus dargelegt hat. Der Handwerker ist stolz auf das Produkt seiner Arbeit und behandelt es mit Respekt, während sich der Konsument in rastlosem Streben nach immer Neuem laufend durchaus brauchbarer Dinge entledigt. Der Handwerker ist somit eher an den Besitz, an das Vorhandene, an die tote Inkarnation früherer Arbeit gebunden; der Konsument ist freier, phantasievoller und damit mutiger in den Augen jener, die uns Dinge verkaufen möchten. Die Fähigkeit, uns mit dem Wesen dinglicher Güter zu befassen und sie einer kritischen Beurteilung zu unterziehen, gibt uns eine gewisse Unabhängigkeit von der Manipulation durch das Marketing. Denn dieses, so Sennett, lenkt üblicherweise die Aufmerksamkeit von der Frage ab, was eine Sache eigentlich ist. Damit eine mittels Assoziationen heraufbeschworene Hintergrundgeschichte in den Mittelpunkt, die dazu dient, geringfügige Unterschiede zwischen Marken zu überzeichnen. Wer sich ein halbwegs zutreffendes Bild vom Produktionsablauf machen kann, glaubt das Märchen nicht mehr, das uns die Werbung erzählt. Der Handwerker hat eine weniger reichhaltige Phantasie als der ideale Konsument; er ist eher am Nutzen interessiert und neigt weniger zu hochfliegenden Hoffnungen. Doch er ist auch unabhängiger. Dies scheint für jede politische Typologie bedeutsam zu sein. Politische Theoretiker von Aristoteles bis zu Thomas Jefferson haben die republikanische Haltung des Kunsthandwerkers in Frage gestellt, da seine Interessen zu beschränkt seien, als dass er sich in den Dienst des Gemeinwohls stellen könnte. Doch dieses Urteil wurde vor der Blütezeit der Massenkommunikation und der Massenkonformität gefällt, die den republikanischen Charakter mit anderen Problemen konfrontiert haben, nämlich mit der Urteilsschwäche und der Aushöhlung der geistigen Unabhängigkeit. Wenn der passive Konsum ein zentraler Bestandteil der modernen Persönlichkeit ist, muss dies zwangsläufig unsere politische Kultur beeinträchtigen. Copyright: Ullstein Verlag "Ich schraube, also bin ich: Vom Glück, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen" von Matthew B. Crawford liegt im Ullstein Verlag vor und kann bei Amazon bestellt werden. |
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| Ihre Meinung zu diesem Artikel |
| Leserkommentare |
| Nema () | 07.06.2010 |
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Man kanns drehen und wenden wie man will: Handwerksarbeit ist schwer, mühseelig und unvergolten in Bezug sowohl auf Lohn als auch auf Ansehen in der Gesellschaft. Es ist daher wenig überraschend, wenn junge Menschen diese Berufe nicht mehr ergreifen wollen. Zumal, es fehlt ihn der Flayr... Was die Republikanische Gesinnung angeht, so denke ich, ist es darum heute nicht besser bestellt als 1790. In Wahrheit sind die Einflussmöglichkeiten der Medien und damit acuh der Massen über die Masse seit dem Zeitalter der Massenkommunikation sogar gestiegen, wirkliche unabhängigkeit im Denken ist genausoselten wie damals und nicht selten sogar fast schon pathologisch... |
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