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07.07.2010
Afrika - Die 101 wichtigsten Fragen und Antworten IV: Kein schwarzer Kontinent
von Asfa-Wossen Asserate

Asfa-Wossen Asserate, Prinz aus dem äthiopischen Kaiserhaus, beantwortet in seinem Buch die 101 wichtigsten Fragen über Afrika. Cicero Online veröffentlicht exklusiv Auszüge. Im vierten Teil erklärt er, weshalb man Afrika nicht als "schwarzen Kontinent" bezeichnen sollte.

Afrika ist ein bunter, lebendiger Kontinent. Kulturell gesehen gibt es in Afrika die größte Vielfalt von Menschen auf unserer Erde. Es wäre zu einseitig, vom «Schwarzen Kontinent» zu sprechen. Der polnische Journalist Ryszard Kapuscinski (geb. 1938), einer der ganz großen westlichen Afrikakorrespondenten, der mehr als 40 Jahre lang aus den verschiedenen Ländern Afrikas berichtete, schreibt: «Dieser Kontinent ist zu groß, als dass man ihn beschreiben könnte. Er ist ein regelrechter Ozean, ein eigener Planet, ein vielfältiger, reicher Kosmos. Wir sprechen nur der Einfachheit, der Bequemlichkeit halber von Afrika. In Wirklichkeit gibt es dieses Afrika gar nicht, außer als geographischen Begriff. Afrika, das sind Tausende von Situationen. Verschiedenste, unterschiedlichste, völlig gegensätzliche Situationen. Jemand sagt: ‹Dort herrscht Krieg.› Und er hat recht. Ein anderer sagt: ‹Dort ist es friedlich›. Und er hat auch recht. Denn alles hängt davon ab – wo und wann.».
Manche beziehen den Begriff «Schwarzer Kontinent» auf die Hautfarbe der Bewohner. Doch sind bei Weitem nicht alle Afrikaner dunkelhäutig: Viele Nordafrikaner und auch Südafrikaner haben eine helle Haut. Für wen das eine Rolle spielt und wer vielleicht sogar eine höhere Kultur mit einer hellen Hautfarbe verbindet, sei an wissenschaftliche Erkenntnisse erinnert: Auch die Vorfahren der europäischen Kultur waren dunkelhäutig. «Die weiße Haut entstand lange nach der Ankunft des modernen Menschen in Europa», sagen amerikanische Genetiker nach neuesten Forschungen. Höhlenmaler, Steinzeitjäger und wahrscheinlich auch die Pfahlbauer am Bodensee müssen wir uns dunkelhäutig vorstellen. Erst in der Jungsteinzeit, vor etwa 6000 Jahren, «verblasste» die europäische Bevölkerung.



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