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07.07.2010
Afrika - die 101 wichtigsten Fragen und Antworten V: Welche Bedeutung hatte Ägypten in der Antike?
von Asfa-Wossen Asserate

Asfa-Wossen Asserate, Prinz aus dem äthiopischen Kaiserhaus, beantwortet in seinem Buch die 101 wichtigsten Fragen über Afrika. Cicero Online veröffentlicht exklusiv Auszüge. Heute erfahren wir, welche Bedeutung Ägypten für die Antike hatte.

An den Ufern des Nils entwickelte sich in der Antike eine der ältesten und bedeutendsten Hochkulturen der Erde. Die Ägypter haben eine ganze Reihe zivilisatorischer Glanzleistungen hervorgebracht: Mit den Hieroglyphen, den Heiligen Zeichen, ersannen sie eine der frühesten Schriften, die über 3000 Jahre in Gebrauch blieb. Ihre hochentwickelte Bau- und Ingenieurskunst lässt uns noch heute über ihre architektonischen Wunderwerke wie die Pyramiden staunen. Diese Bauten basieren auf ausgefeilten mathematischen Kenntnissen. Zudem verfügten die Ägypter über erstaunliches astronomisches Wissen, und sie führten einen der ersten alltagstauglichen Kalender ein. Die ganz eigene Ausprägung der ägyptischen Kultur in Kunst, Architektur und Religion fasziniert bis heute unzählige Menschen. Die Errungenschaften der Ägypter hatten einen großen Einfluss auf die Nachbarvölker und auf spätere Kulturen. Der altägyptisch Kalender liegt dem julianischen zugrunde. Die ägyptische Medizin war bei den Griechen hoch angesehen; und auch die Grundlagen der Mathematik, wie die Trigonometrie, lernten die Griechen von den Ägyptern. Spekulationen ranken sich darum, wie weit die ägyptische Religion, insbesondere die Phase des strengen Monotheismus – d. h. der Verehrung nur eines Gottes – unter Pharao Echnaton im 13. Jahrhundert v. Chr., die Geschichte des Alten Testaments beeinflusste. In der griechisch-römischen Antike galt Ägypten als die Urheimat der Weisheit, die von dort über Mose in der Bibel und über Orpheus, Pythagoras, Platon und andere griechische Ägyptenreisende Eingang in die abendländische Tradition fand. Manche spekulieren gar, dass die griechische Kultur letztlich aus Ägypten gekommen sei, was freilich kulturgeschichtlich bedenklich ist. Sicher sind jedoch Elemente ägyptischer Kultur – wie menschengestaltige Skulpturen – in die griechische übernommen worden. Der Anfang der ägyptischen Geschichte wird in den Legenden als die «Regierungszeit der Götter» bezeichnet. Dieses ‹Goldene Zeitalter› Tep-Zepi wurde, wie uns etwa der Turiner Königspapyrus berichtet, vom Gott Ptah errichtet. Er ist der Schöpfergott, der den Legenden zufolge 9000 Jahre über Ägypten herrschte. Den Beginn der historischen Zeit in Ägypten markiert die Bildung eines gesamtägyptischen Königtums um 3100 v. Chr. Seit dieser Zeit sind schriftliche Überlieferungen erhalten. Ursprünglich bestand das Alte Ägypten aus zwei Ländern: Ober- und Unterägypten. Archäologische Funde in Unterägypten reichen bis in das 6. Jahrtausend v. Chr. zurück. Sie belegen eine enge Verbindung mit Vorderasien, vor allem mit der sumerischen Kultur Mesopotamiens im heutigen Irak. Die Funde in Oberägypten dagegen zeigen eine enge Verbindung mit afrikanischen Kulturen – vor allem mit den nu bisch-sudanesischen Völkern sowie mit Äthiopien, dem Quellgebiet des Blauen Nils. Seit jeher war der Nil die Lebensader Ägyptens. Der Fluss prägte die Kultur und das Leben der Menschen. Am Oberlauf des Nils bildete sich mit Nubien ein zweites, afrikanisch geprägtes Machtzentrum. Über viele Jahrhunderte stützte sich das Pharaonenreich der Ägypter wirtschaftlich auf die Ausbeutung der sagenhaft reichen nubischen Goldvorkommen. Im Verlauf des 8. Jahrhunderts v. Chr. dehnten die Nubier ihren Einfluss immer weiter nach Norden aus, und von ca. 715 bis 664 regierte eine nubische Dynastie über ganz Ägypten. Unter ihr erlebte die alte ägyptische Kultur eine Art Renaissance: Die glorreiche Vergangenheit wurde wiederentdeckt. In vielen Lebensbereichen orientierte man sich an Vorbildern aus früheren Epochen. Zu Beginn seiner Geschichte ist Ägypten deutlich nach Süden, nach Afrika, orientiert. Der Handel mit innerafrikanischen Produkten ist schon im Alten Reich (ca. 2700 bis um 2200) nachweisbar. Nach der Herrschaft der Nubier über ganz Ägypten kommt es jedoch zu einem Bruch. Die nachfolgende Dynastie ist libyschen Ursprungs und orientiert sich nahezu ausschließlich hin zur Mittelmeerwelt. Alle wichtigen Zentren liegen jetzt in der Nähe des Nildeltas. Oberägypten wird Provinz. Nach den Libyern herrschen Perser über Ägypten. 332 v. Chr. Erobert schließlich der Makedone Alexander der Große das Reich am Nil und gründet dort die Weltstadt Alexandria. Nach dessen Tod wird Ägypten von Alexanders General Ptolemaios verwaltet, der sich bald selbst Pharao nennt und die Dynastie der Ptolemäer gründet. Von nun an gehört Ägypten zu den hellenistischen Reichen des Mittelmeerraums, beherrscht von einer griechischen Oberschicht. Aus dieser Zeit stammen auch die meisten Berichte der griechischen Historiker über Ägypten. Sie prägen unser Bild von Ägypten als einer eher vorderasiatisch-griechischen denn afrikanischen Kultur. Nach der Niederlage Kleopatras VII. und ihres Gatten Marcus Antonius gegen die Flotte Octavians – des nachmaligen Augustus – in der Seeschlacht bei Actium (31. v. Chr.) nahm sich die letzte Ptolemäerin das Leben; Ägypten wurde zur Kornkammer des römischen Imperiums.



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