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Mein Gott – die Kirche!
von Frank A. Meyer

Die katholische Kirche wird traditionell von Männern dominiert – und zeigt dennoch viele feminine Züge. Ein Paradoxon mit dem sich Frank A. Meyer beschäftigt hat.

Harald Schmidt, postmoderner Possenreißer, wechselte die Tonlage: In einer Mischung aus Mädchenstimme und Regensburger Domspatz äffte er den Sound der katholischen Kleresei nach. Das war gemein. Aber gut getroffen.

Was der Katholik Schmidt da phonetisch parodierte, ist ein zentrales Paradox der katholischen Kirche: Die Männerbastion der Christenheit inszeniert sich gern feminin.

Der Papst macht es vor: mit schmucken roten Schühchen unter einer reinweißen Papstrobe, mit seinem „Fratelli e Sorelli“, das er stets eine Terz zu hoch intoniert. Ganz so, als parodiere er höchstselbst die Parodie des Parodisten aus dem Ersten.

In den Ohren profaner Protestanten wirkt die hohe Stimmlage eingeübt. Das Psalmodieren klingt künstlich und falsch. Demut, nur gespielt. Die Pfarrer Luthers, Zwinglis und Calvins jedenfalls reden anders. Wie ganz normale Bürger.

Feminine Züge trägt auch der Prunk der ältesten Kirche. Es ist ein schillerndes Schauspiel, wenn die Kirchenmächtigen zur Inthronisation ihres Oberhaupts in wallenden Seidengewändern über den Petersplatz schweben. Papistische Prozessionen sind nun mal prächtig und hochgradig artifiziell. Jeder Ballettmeister muss da neidisch werden.

Der einfache Priester in der Sonntagsmesse scheint ebenfalls aller üblichen Männlichkeit entrückt: in weißem Rock mit farblich abgesetzter Stola, assistiert von Messdienern in bestickten Hemdchen, anmutig den Weihrauchkessel schwenkend. In ihrer Gewandung und mit ihren Accessoires wirken die Diener des Herrn ebenso wunderbar wie sonderbar. Viril wirken sie nicht.

Der bildsüchtigen Medienwelt liefert diese effeminierte Eleganz attraktive Eyecatcher: Bischöfe in vollem Ornat mit violetter Schärpe, distanziert würdevoll, demonstrativ machtvoll, erfreuen immer wieder den Betrachter.

Ist all das nur der traditionsverhaftete Ausdruck einer geweihten Welt, die sich bewusst von der wirklichen, der weltlichen Welt absetzt? Ein Schuft, der Böses dabei denkt.
Was aber so verführerisch nach außen wirkt, wie wirkt es nach innen? Auf die Patres, auf die Priester, auf all die Prälaten?

Im „closed shop“ der katholischen Hierarchie ist selbstbestimmte Männlichkeit jedenfalls als Tugend nicht erwünscht. Emanzipation könnte ja zur Rebellion führen – und das göttliche Gefüge gefährden. Stattdessen ist Unterwerfung der Schlüsselbegriff des Katholizismus.

Der Zölibat zwingt die jungen Kleriker zum Bruch mit ihrer natürlichen Entwicklung zum Mann. Die sexuelle Lust wird überhöht zur totalen Hingabe an Gott den Herrn. Der Wunsch nach Innigkeit mit einer Frau wird sublimiert im Marienkult, dem einzig erlaubten verzückten Blick auf Weiblichkeit.
Welche Fantasien provozieren all diese verordneten Entsagungen, welche Sehnsüchte, welche Surrogate? Was geschieht mit Männern im geweihten Dienst, wenn sie plötzlich Kinder vor sich haben? Knaben erziehen?

Wo viel Unterwerfung ist, ist auch viel Macht. Die Pädagogen des Bischofs von Rom sind in den Augen ihrer Schüler gesegnet mit dem wahren Wissen um Sünde und Gnade. Welche Chance hat ein Kind, zweifelhaften Avancen solcher Autoritäten zu widerstehen, ihre unsittlichen Forderungen zurückzuweisen?
Spricht doch durch den geistlichen Lehrer ein höheres Wesen. So wird es gelehrt. So wird es geglaubt. Wer ist leichtgläubiger als ein Kind?
Dürfen sich Eltern, die ihren Nachwuchs mit Gottvertrauen auf eine katholische Eliteschule schicken, auch darauf verlassen, dass der Heilige Geist die Erzieher über pädophile Versuchungen erhaben macht? Knaben sind oft schön und mädchenhaft, voller Lebensfreude und ungezähmt. Sie verkörpern eine wirkliche und sinnliche Welt, die dem päpstlichen Personal verboten ist. Pädagogischer Eros kann problematisch werden für Geistliche mit sexuellem Manko. Da hat’s ein Lehrer, der den Abend daheim bei Frau und Familie verbringen darf, auf jeden Fall leichter.

Was Deutschland gerade in Atem hält, geschieht selbstverständlich auch außerhalb des katholischen Kreidekreises. Die säkulare Odenwaldschule liefert den Beleg. Doch vor allem und reihum erschüttert Pädophilie, zum Teil in sadistischer Ausprägung, eben doch die Erziehungsinstitute der einen und heiligen Kirche. Nicht nur in Deutschland. Sondern in der ganzen katholischen Dogmenwelt, die Männlichkeit durch Feminisierung und Zölibat pervertiert.

Für Bischof Walter Mixa ist „die sogenannte sexuelle Revolution sicher nicht unschuldig“ an den Verbrechen, die in den Schulen seiner Konfession an Schutzbefohlenen begangen wurden. Mein Gott! Die 68er! Auch das gehört also zu ihrem Sündenregister!

Der Hirte von Augsburg stellt die Wahrheit auf den Kopf. Auf die Füße gestellt, lautet sie so: Die katholische Kirche hat sich derart starrköpfig jeder noch so abgeschwächten Reform ihrer sexuellen Dogmen verweigert, dass sie heute das größte moralische Desaster ihrer jüngeren Geschichte erlebt.

Lernt Rom seine Lektion? Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wünschte vom deutschen Episkopat mehr Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden. Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz, forderte die besorgte Politikerin ultimativ auf, sich für ihre Kritik zu entschuldigen – binnen 24 Stunden.

Die Anmaßung der Kirchenmacht ist ungebrochen. Der tausend Jahre alte Investiturstreit schwelt weiter. Die katholische Kirche will nicht auf die Welt kommen.


Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe April 2010

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Leserkommentare
Mathias Cuypers (Viersen) 22.04.2010
Ich denke nicht, dass man anhand bestimmter Gewänder die kath. Kirche als feminin bezeichnen kann...
Heinrich Heidenreich (Frankfurt) 21.04.2010
1. Die Kirche, die Ecclesia, ist nach der Tradition in der Tat weiblich. Von alters her gilt sie als Braut Christi (z. B. Off. 21,9); den Getauften ist sie Mutter (KKK 2040).
2. Es ist aber flach und geradezu abwegig, feminine Züge der Kirche an Farben und Gewändern festmachen zu wollen, die doch nichts anderes als Nachfahren antiker, römischer Herrenbekleidung sind, oder an der vom musikalischen Italienisch beeinflußten, im übrigen äußerst hedyphonen persönlichen Stimme des Heiligen Vaters.
3. Wie es pädophile Verbrecher unter Laien gibt, so gibt es sie – schlimmerweise – auch unter Priestern. Das ist zwar besonders erschreckend, weil gerade das Leben eines Priesters anderen zum Vorbild gereichen soll. Aber auch wenn es die Gegner der Kiche nicht hören wollen, sagt uns die Wissenschaft: Es existieren keine Bande zwischen Zölibat/Priesteramt und Pädophilie (http://www.cicero.de/97.php?ress_id=9&item=4907). Autoren wie Frank Meyer versuchen sie dennoch zu konstruieren. Das ist antiklerikale Stimmungsmache, die die Fakten negiert.
4. Das kirchliche Lehramt hat – anders als manche moderne Ideologie – sexuelle Übergriffe auf Kinder immer verurteilt. Gerade die kirchlichen Dogmen, deren Verteidigung der Autor mit Starrköpfigkeit verwechselt, sind es, die Untaten verurteilen, ja, zwar nicht in allen, aber doch in vielen Fällen verhindern können.
5. Das Niveau einer Zeitschrift ist ernsthaft in Gefahr, in der ein solcher Artikel erscheinen kann, ein Artikel, der nur aus unsachlicher Polemik gegen die Kirche besteht und überdies schlecht recherchiert ist. Der Autor zeigt sich nicht einmal in der Lage, das „Fratelli e Sorelle“ des Papstes richtig zu zitieren.
Nema () 21.04.2010
@konservative Zeitung: Auch wenn mein letzter Kommentar hier es vielleicht nicht erahnen lässt, ich habe ein etwas idealistisches Verständnis von Zeitung. Meines Erachtens soll sie immer auch dazu dienen, den Leser mit neuen Ideen und Meinungen zu konfrontieren, nicht nur seine Meinung zu bestehtigen.
A. Haas (Regensburg) 21.04.2010
@Nema
Von einem Blatt, das den Anspruch hat konservativ zu sein, wird man aber doch noch erwarten dürfen, daß über kirchliche Themen auch aus einer echt kirchlichen Perspektive berichtet wird. Kommentare, die derart lasziv unter die Gürtellinie zielen, sind das gerade Gegenteil davon.
joe_rulez (Mainz) 21.04.2010
Und da ist Sie schon wieder: die "unvermeidliche" Yvonne Walden!
Leider ist ihnen ausser Hetzreden noch gar nichts gelungen.
Grüßen Sie doch bitte auch ganz herzlich Ihren Führungsoffizier, der Sie ja offensichtlich heute von Welt-Online zum Cicero abkommandiert hat.
Yvonnne Walden (41334 Nettetal) 21.04.2010
Was Frank A. Meyer so treffend formuliert, sollte den Kirchenoberen in Rom und anderswo zu denken geben. Aber weit gefehlt! Sie können oder dürfen garnicht "denken", denn sonst würden sie "Wissen" an die Stelle von "Glauben" setzen, was fatale Folgen hätte.
Nicht einmal ein Gottesbeweis will den Kirchenoberen gelingen, bei allen ihren geistigen Bemühungen. Selbst Papst Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) verbreitet Mythen über einen Jesus aus Nazareth, ohne seine Behauptungen durch Quellen belegen zu können. Auch die katholische Kirche hat eben nur "auf Sand gebaut" und keineswegs auf dem Felsen, auf dem Petrus angeblich den römischen Petersdom respektive seine Vorgängerkirche errichtet haben soll. "Das Schwerste ist Glaubwürdigkeit" formulierte einst der SPD-Vordenker Erhard Eppler. Die katholische Kirche hat ihren letzten Rest an Glaubwürdigkeit inzwischen verspielt, sofern sie jemals Glaubwürdigkeit beanspruchen durfte. Ob dies bald alle noch "Gläubigen" bemerken und ihre Konsequenzen daraus ziehen werden?
Nema () 21.04.2010
Man legt völlig falsche Bewerungsmaßstäbe vor allen Dingen an die Journalisten an, wenn man Vergebung oder ein gerechtes Gericht erwartet. Journalismus handelt zu 20% mit Informationen und mit 80% mit Werbefläche.
Guter Journalismus macht also die Umworbenen gleich doppelt glücklich und das mögen die Werbekunden dann wahrscheinlich - seriöses Blatt, seriöse Firma.

"Erfolgreich" ist damit aber auch der Journalismus, der sich am Besten verkauft, der also "hohe Quote" bringt. Die Sau, die grad durchs Dorf getrieben wird bringt gute Quote!
VOr allem ist es auch einfach, man kann von der Vorarbeit der Kollegen profitieren...

Mit "Gericht" hat das alles nichts zu tun.
Professioneller Journalismus ist neben Wissenschaft und Justiz (sofern man ihr dann dieses Recht zugesteht!) eine der drei großen Quellen von "Wahrheit" von Heute.
joe_rulez (Mainz) 21.04.2010
Das ist ja unerhört: die katholische Kirche "erfrecht" sich doch tatsächlich, der "Moderne" Widerstand entgegen zu setzen.

Sie hat natürlich nur eine Wahl: "unconditional surrender" und zwar schnell...

Und die seht anscheind so aus: Gender Mainstreaming, Frauenordination, Homo-Ehe, Dark-Rooms zum Koma-Saufen für Jugendliche, den "Rheinischen Merkur" zum "Rheinischen Playboy" umbenennen...

Sonst noch dekadente Wünsche, Herr Frank A. Mayer? Grüßen Sie doch Herrn Posener ganz herzlich...
nk () 20.04.2010
Voll vorbei ist auch daneben. Die Kirche ist per Selbstverständnis in ihrer Begründung nicht von dieser Welt. Das müssen außen stehende nicht akzeptieren, aber eher friert die Hölle ein, als dass sich die Kirche irdischen Maßstäben unterordnet. Im übrigen hat Frau L-S es gerade nötig ...
A. Haas (Regensburg) 20.04.2010
Im Zusammenhang mit dieser Mediendebatte um Bischof Mixa will ich etwas aus meiner eigenen Kindheit erzählen: Meine Mutter hat mich und meine Schwester tatsächlich nie geschlagen — mit einer einzigen(!) Ausnahme: ich war in der ersten Klasse und bin mit meiner zwei Jahre älteren Schwester über eine Strecke von gut drei Kilometern auf einer vielbefahrenen Bundesstraße mit dem Rad in einen entfernteren Ort gefahren. Grund war, daß wir eine Lehrerin besuchen wollten, was uns bzw. eigentlich meiner Schwester irgendwie eingefallen war. Als wir dort waren wurden wir ordentlich bewirtet und riefen auch daheim an — wohl weil die Lehrerin gar nicht auf unseren Besuch vorbereitet war und sich daher bei unseren Eltern erkundigen wollte, wie es denn käme, daß wir unangemeldet diese lange und gefährliche Strecke gefahren sind; unsere Mutter hatte aber gar nichts davon gewußt! Bis zu dem Zeitpunkt dachten wir uns überhaupt nichts Böses und sind diese Strecke dann sogar auch wieder zurückgefahren. Daheim gab es dann aber ein riesiges Donnerwetter, bei dem uns unsere Mutter auch richtig versohlt hatte …

Nun mag das nach den heutigen gesetzlichen Maßstäben Körperverletzung sein. Nur muß man eben auch begreifen und real mit einbeziehen(!), daß Kinder gelegentlich nun mal Sachen machen, deren Tragweite und deren Gefahr sie selbst gar nicht verstehen. Um den Prozess dieses Verstehens in Gang zu bringen kann es manchmal tatsächlich geboten sein, mit Schlägen nachzuhelfen. In diesem konkreten Fall war die Motivation weiß Gott nicht Sadismus, sondern wirklicher ein Ausdruck mütterlicher Liebe im Sinne eines hilflosen Verzweifelns darüber, daß sie der gefühlten Verantwortung mit Blick auf die Zukunft anders nicht gerecht werden können würde.

Es sollte klar sein, daß es bei Bischof Mixa in diesem Waisenheim allemal vergleichbare Situationen gegeben haben kann. Nur wissen wir aber ja nahezu gar nichts von den eigentlichen Fakten, so daß wir uns auch überhaupt kein Bild darüber machen können, ob die Situationen, in denen es zu diesen Watschen kam, wirklich vergleichbar waren und ob wir — ungeachtet eines etwaigen gesetzlichen Verbotes — zu der Einschätzung kämen, daß es angemessen war und die Watschen also notwendig aka. verdient waren. Deshalb sollte man sich auch davor hüten, sich zu irgendwelchen spekulativen Urteilen über die Integrität Bischof Mixas hinreißen zu lassen.

Den größten Widerwillen erzeugt bei mir aber die Tatsache, daß die Medien ja quasi fordern, daß Bischof Mixa seine Beichte in Mikrophone sprechen soll, obwohl dafür doch eigentlich sein Beichtvater zuständig ist. Anders als sein Beichtvater würden ihm kirchenfeindliche Medien wie die Süddeutsche Zeitung aber DOCH NIE die Absolution erteilen — ganz gleich, wie sehr er auch bedauern und um Verzeihung bitten würde — weil sie ihn hassen.

Und an dieser Stelle, meine ich, liegt eben auch der springende Punkt bei der ganzen Angelegenheit: Wie damals mit Eva Herman bei Johannes B. Kerner maßen sich die Medien an Gericht zu halten — ein Gericht, das kein Verzeihen und keine Gnade kennt und bei dem Ankläger und Richter dann auch noch zusammenfallen! Und “am Besten” sollte das Urteil dieses Gerichtes dann auch noch innerhalb der Kirche von Bedeutung sein und zur Absetzung eines Bischofs führen. Das darf die Kirche aber niemals zulassen, weil es wirklich ihr Ende wäre. Genau dorthin zielen die Strategen dieser Kampagne aber!

Einige bringen vor Bischof Mixa hätte eine “schlechte Figur” gemacht. Wer so redet, dessen Bewertungsmaßstäbe sind schlicht falsch: Er spricht von einem Bischof wie von einem Modell auf dem Laufsteg, das er im Fernsehen sieht. Hier handelt es sich aber nicht um einen Mode-Wettbewerb, sondern um ein Spießrutenlaufen. Wenn man den Unterhaltungsfaktor als Maßstab anlegt, dann begrüßt man dieses Spektakel natürlich und würde sich womöglich noch einen Spaß daraus machen, dem Bedrängten die Schuld für den Stein zu geben, der ihn am Kopfe traf, weil er diesem ja auch hätte ausweichen können. Von dieser Art von Ausgelassenheit dürfte die Stimmung im Circus Maximus geprägt gewesen sein, als man Menschen zur Belustigung und Besänftigung eines allzeit rebellischen Mobs öffentlich hinrichtete.

Nun sagen uns Vertreter der Medien, wie etwa hier Frank A. Meyer, diese Art des Umgangs mit der Römisch-Katholischen Kirche sei notwendig, um sie zu "reformieren" und sehen sich dabei selbst in der Rolle des Erziehers. Die Frage, ob diese mediale Dressurelite moralisch legitimiert ist, einen derartigen Schauprozess über einen Bischof zu veranstalten, wenn sie doch den Maßstäben, die sie an ihn legt, selbst in keiner Weise gerecht wird, möge sich jeder selbst beantworten.
Nema () 20.04.2010
Also bis zu dem Zusammenhang zwischen Pädo. und Zölibat dachte ich ernsthaft erst: "Wow, endlich mal eine kultivierte Kritik am Katholizismus jenseits des Eindreschens der Medienmeute", aber spätestens auf den zweiten Blick wurde ich doch etwas enttäuscht.

Hier tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Kirchenkleidung - immerhin die Frucht des Zeitgeist früherer Jahrhunderte, die sich von der profanen Mode unabhängig weiterentwickelte - und ausgerechnet einer Feminisierung zu stellen ist dann doch etwas zu gewagt, zu weit hergeholt, um nicht doch wieder den Verdacht vom Polemik zu wecken.
Ebenso könnte man in den Perrücken der englischen Richter und Politiker zu formellen Anlässen eine Verherrlichung des Alters erkennen. Gut, es ist möglich, dass sich diese Mode inzwischen so psychologisch aufgeladen hat oder es schon immer war, aber einfach so eingeworfen ist das einfach zu weit hergeholt. Unplausibel. Wir dürfen fest davon ausgehen, dass die Menschen des Mittelalters z. B. nichts mädchenhaftes mit der Kleidung der Klerika verbanden. Ludwig der XIV. trug Stöckelschuhe! Friedrich der Große Röcke! Und, oh Gott, Seidenkleidung war früher sogar eine Auszeichnung von Wohlstand! Was müssen unsere Vorfahren nach der Logik für Metrosexuelle gewesen sein, die die Geschlechterrollen - und das, meine Herren, schon zum Zeitpunkt ihrer historischen Genese! - bereits selbstverständlich überwunden hatten.
Die naheligende Idee, dass Seide einfach leicht und wohlfühlend ist, das die Kleidung der Bisschöfe einfach schön sein soll ist da zu weit hergeholt.

Nach Freud ist übriegs die Verdrängung des Trieblebens elementar für die Entstehung von höhrer Kultur!
willanders (Hamburg) 20.04.2010
Ach Cicero, Si tacuisses... hättest du nur geschwiegen zum diesem thema, wärest du eine gute zeitschrift geblieben.
heryk (heidelberg) 20.04.2010
Was ist eine blöde, möglicherweise verdiente Ohrfeige???
Mixa ist kein hinterbayrischer Dorfpfarrer, sondern steht an der Spitze eines in vielfacher Hinsicht zurückgebliebenen, mittelalterlichen Machtapparats. Mit seiner als Israelkritik verbrämten Hetze gegen Juden, mit seiner geschichtsverfälschenden Hetze gegen Anders-oder Ungläubige, die er als Gottlose diffamiert, mit seinen Geldschmuggeleien und Missbräuchen von Spendengeldern steht er zu Recht im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik.
Der Cicero Artikel ist nicht lustig und hat sehr wohl etwas zu sagen.
Alte Männer in Frauenkleidern, die mit Frauenstimmen angeblich heilige, also heilende Gesänge, intonieren, mögen kulturell, historisch oder folkloristisch interessant sein. Sie sind aber genau so wenig zeitgemäß wie Kastraten in der Oper.
A. Haas (Regensburg) 19.04.2010
Der Autor hätte sich besser entschieden, ob er lustig sein will oder tatsächlich etwas sagen möchte — beides zugleich geht nun mal nicht. Normalerweise sollte man Kommentare, die schon mit populistisch auf die RKK projezierten Versatzstücken der Genderideologie beginnen, gar nicht zu Ende lesen.

Dennoch: Frank A. Meyer hat richtig erkannt, daß die sog. "vierte Macht" im Staate sehr deutliche Gelüste zeigt, künftig bei der Benennung und Absetzung von Bischöfen entscheidend mitreden zu wollen und so die Domäne der Mediokratie auszuweiten. Denn daß die Süddeutsche Zeitung wegen ein paar blöden, möglicherweise sogar verdienten Ohrfeigen nie einen derartigen Zirkus veranstalten würde, ist doch für jeden offenbar.

Fakt ist und bleibt aber, daß Bischöfe der RKK allein vom Papst ernannt und abgesetzt werden. Solange das neuheidnische Fräulein Claudia Roth nicht offiziell als Gegenpäpstin inthroniert wurde, hat sie hier überhaupt kein Mandat mitzureden.
H.K. (Lüneburg) 19.04.2010
Ich finde es traurig festzustellen, dass nach dem Spiegel auch die Cicero auf Bild-Zeitungsniveau landet, wenn es um die katholische Kirche geht. Mir, einem ehemals Opfer sexuellen Missbrauchs fernab jeglicher katholischer Sexualmoral (evangelisch großgezogen von einem Lehrerehepaar mit großer Affinität zum Feminismus, sexueller Revolution etc.), fehlt die Reflektion der eigenen Mitschuld in den Reihen derer, die nun am lautesten schreien. Sexueller Missbrauch ist kein von der katholischen Kirche gebuchtes Problem! Er fand und findet aus den verschiedensten Gründen immer schon statt und würde sicherlich nicht verschwinden, wenn wir die Kirche, Zölibat, männliche Priester etc pauschal abschafften. Dasselbe gilt für nicht-sexuelle Gewalt gegenüber Kindern. Warum also brauchen wir eine katholische Kirche, einen Papst, aber auch eine Reformpädagogik oder die 68er als Schuldige so dringend als Sündenböcke für menschliche Perversion und Machtmissbrauch? Offensichtlich wird doch an der Vielzahl der Missbrauchsfälle vor allem eines: Unsere Gesellschaft ist noch immer durch eine Mentalität des nichts-sehens, nichts-hörens und nichts-sagens geprägt. Innerhalb wie außerhalb der Kirchen, Schulen etc. Wenn Eltern 30 Jahre lang nicht auf die Erlebnisse ihrer Kinder reagieren, trägt nicht allein die Kirche die Schuld. Wie kann es juristisch für diese Verbrechen überhaupt Verjährungsfristen geben? Wie überwinden wir die Mentalität des Wegsehens? Wie überwinden wir unsere Unterwürfigkeit gegenüber Personen, die in hoher Verantwortung ihre Macht für Eigeninteressen missbrauchen? Für mich sind das die entscheidenden Fragen der Zeit. Ein antikatholischer Rundumschlag (Zölibat, vermeintliche Frauenfeindlichkeit, Frauenpriestertum etc) hilft weder den bisherigen Opfern, noch schützt es unsere Kinder! Ich wünsche mir hier eine seriösere Berichterstattung. Das Interview mit Herrn Liminski (ebenfalls in dieser Ausgabe) beispielsweise zeigt doch, dass die Cicero dazu grundsätzlich fähig ist!
krypter (D) 19.04.2010
@Heinz Moll:
Was genau zeugt denn von "nicht viel Ahnung von der Materie"? Mit Ihrer Aussager zum "cloded shop" liegen zumindest Sie falsch, obwohl Sie hier im Internet direkt an einer guten Informationsquelle sitzen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Closed_Shop
F.B (München) 19.04.2010
Frank A. Meyer trifft mal wieder den Nagel auf den Kopf! Danke dafür!
Heinz Moll (Prag) 19.04.2010
Ein billiger Mainstream-Kommentar. Meyer hat augenscheinlich nicht viel Ahnung von der Materie. Und Englisch kann er auch nicht. Ein closed shop ist eine Gewerkschaft, nicht ein geschlossener Kreis, was Meyer doch offenbar aussagen will. Mein Gott!
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Frank A. Meyer
Frank A. Meyer ist Journalist. Zuletzt erschien "Der lange Abschied vom Bürgertum", ein Gespräch Meyers mit Joachim Fest und Wolf Jobst Siedler im wjs-Verlag Berlin.


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