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Kostenfalle Gesundheit
von Ingrid Herden

Deutschlands Gesundheitswesen leidet an Verschwendung und Undurchsichtigkeit. Eine Spurensuche zeigt, wo das Geld der Patienten versickert.

Mit geübtem Griff presst die Krankengymnastin ihre Finger in Lucas Hüfte. Das steife Bein des Dreijährigen hebt sich reflexartig. Allein wird der Junge solche Bewegungen wohl niemals machen können. Luca ist durch Sauerstoffmangel bei der Geburt schwerstbehindert. Gisela und Alessandro Spina können nur an seiner geräuschvollen Atmung erkennen, wie ihr Sohn sich gerade fühlt.
Die Fotografie an der gelb gestrichenen Kinderzimmerwand zeigt daher einen kostbaren Moment für die Eltern: Luca lacht im Schlaf.
Manchmal weint er bei plötzlicher Kälte. „Selbst darüber freut man sich – Hauptsache eine Lebensäußerung“, sagt Frau Spina.

Lucas Schädigung war selbst für die Ärztehaftpflichtversicherung ein klarer Fall: Stundenlang hatte das Überwachungsgerät bei seiner Geburt in der ländlichen Klinik bedenkliche Sauerstoffwerte gemessen. Trotzdem hatten Assistenzärztin und Hebamme keinen Kaiserschnitt vorgenommen. Immerhin hatten sie versucht, den zuständigen Arzt telefonisch zu erreichen – vergeblich.

Zeitweise hatten auch die Eheleute Unruhe beim Krankenhauspersonal gespürt. Aber als Laien vertrauten sie den Profis: „Die haben immer gesagt: Ihrem Schatz geht’s gut“, erinnert sich die Mutter. Heute grübelt Alessandro: „Warum habe ich bloß nicht die Klappe aufgemacht?“ Als der Sohn schließlich zur Welt kam – „dunkelgrau und leblos“ –, mussten ihn Spezialisten aus dem nächstgelegenen Kinderkrankenhaus reanimieren. Seitdem hat der Junge insgesamt ein Jahr in Kliniken verbracht, mindestens 50 Kinderarztbesuche und 98 Apothekentouren standen 2009 auf dem Programm der Mutter, hinzu kommen Krankengymnastik, Ergotherapie, Impfaktionen.

Geburten gelten neben der Chirurgie und Orthopädie als fehleranfälligster Medizinbereich: „Von hundert Kindern kommen fünf mit vermeidbaren Schädigungen zur Welt“, schätzt der Bonner Medizinrechtsanwalt Roland Uphoff, Vorstand des Arbeitskreises Kunstfehler in der Geburtshilfe. Aus seinen mehreren Tausend Fällen weiß er: „Die Fehler sind immer dieselben.“ An den Folgen solcher „unerwünschten Ereignisse“ sterben nach Schätzung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit jährlich 17000 Deutsche.

Neben dem großen Leid verursachen systematische Qualitätsdefizite hohe Kosten: Drei bis vier Millionen Euro veranschlagt Uphoff bei einem schwerstbehinderten Kind. In der Regel kommen dafür zwar Haftpflichtversicherer auf.
Doch über steigende Versicherungsprämien kehrt die Finanzlast zu den Hospitälern zurück – und schließlich zu ihren krankenversicherten Kunden.
Mehr als 58 Milliarden Euro mussten sie 2009 für die Kliniken als größten Kostenblock im Gesundheitswesen aufbringen.

Insgesamt haben die Deutschen im vergangenen Jahr rund 190 Milliarden Euro an ihre gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen überwiesen, privat investierten sie zusätzlich geschätzte 60 Milliarden Euro in heile Körper und Seelen. Eine Fastenkur für die immer fetteren Medizinbudgets wäre bitter nötig: Die Deutschen stöhnen unter den vierthöchsten Gesundheitsausgaben weltweit. Tendenz: schneller steigend als die Inflation. Gerade erst haben die Privatversicherer ihre Prämien deutlich – oft sogar zweistellig – angehoben. Und in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) schockten Kassen ihre Mitglieder mit Zusatzbeiträgen, die jährlich bis zu 450 Euro erreichen.

Noch bescheinigen uns Experten, dass die Bundesbürger im internationalen Vergleich den besten Zugang zur Hochleistungsmedizin besitzen. Aber lange lässt sich das Niveau nicht mehr halten. „Unsere im internationalen Vergleich immer noch als hervorragend einzustufende medizinische Versorgung steht vor dem Aus, wenn in unserem Gesundheitswesen nicht ein deutliches Umdenken stattfindet“, sagt Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin und Vorsitzender des Aktionsbündnisses Patientenschutz. Der Chef der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, fordert bereits eine Prioritätenliste für Krankheiten, damit die weniger wichtigen künftig nicht mehr erstattet werden.

Dabei existieren längst Rezepte, wie eine gesundere und zugleich günstigere Krankenversorgung zu erreichen wäre. „Rationalisieren statt rationieren“ heißt die Devise. Mehr Effizienz und größere Sorgfalt in Krankenhäusern und Praxen sowie Preisverhandlungen mit Arzneimittelherstellern könnten genug finanziellen Spielraum schaffen, damit der Leistungsumfang nicht gekappt werden muss. „Mit einer effizienteren medizinischen Versorgung könnten wir Milliarden Euro sparen und die Krankenversicherungsbeiträge sogar senken. Zugleich hätten die Deutschen nicht weniger, sondern mehr Qualität“, sagt Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (siehe Seite 88). Das sehen zunehmend auch Privatversicherer ein, die bisher eher mit Luxusmedizin für sich warben. „Ich halte ein Sparpotenzial von 25 bis 30 Prozent in unserem Gesundheitssystem für plausibel“, schätzt der Vorstandschef der Axa Krankenversicherung, Gernot Schlösser.

Auf der Anbieterseite aber verteidigen Ärzte, Pharmaindustrie und Krankenhäuser zäh und erfolgreich ihre Pfründe. In den Sickergruben des Riesenmarkts kämpft jede Klientel mit einer schier unübersehbaren Zahl von Verbänden, Instituten und Gesellschaften eisern um ihre Stellung. Wehe, wer ihnen in die Quere kommt: „Sobald jemand einer Interessengruppe Geld wegnehmen will, winkt die mit dem Leichentuch“, sagt Sawicki.

Kritische Reformer, die auf ihrem Posten überleben wollen, brauchen daher eine gute Rückendeckung. „Ich kenne genügend Mitglieder der Berliner Haute Volée in Unterhosen. Da ist es extrem schwierig, mich abzuservieren“, beruhigt sich ein engagierter Mediziner. Sawicki hat das Netzwerk offenbar nicht getragen: Der unbequeme, aber hoch angesehene Mediziner muss im August seinen Chefposten in dem Institut räumen – offiziell wegen Abrechnungsunregelmäßigkeiten. Viele in der Branche sind aber überzeugt, dass er sich zu sehr mit der Pharmabranche über den Nutzen ihrer Medikamente angelegt hatte: „Der wurde gekillt“, sagt einer.

Die Spurensuche nach kostspieligen Mängeln ist an den Nahtstellen der Medizinindustrie – zwischen Praxen und Kliniken – besonders lohnend. Dort wurde auch die Oberärztin in der Unfallchirurgie der Berliner Charité, Almut Tempka, fündig. 2006 ließ sie bei jedem Kranken unter der neuen Ziffer „Z 48.8“ im Diagnoseschlüssel erfassen, ob es sich um einen „Reparaturfall“ handelte, bei dem der Pfusch eines anderen Mediziners korrigiert werden musste. Das erschreckende Ergebnis: Fast 50 Prozent der Kreuzband­risse sowie je ein Drittel der Eingriffe an Fuß und Wirbelsäule basierten auf gescheiterten Erstbehandlungen. Viele Institute und Kassen zeigten sich zunächst interessiert, den Fehlern auf den Grund zu gehen.
Doch merkwürdig, es meldete sich niemand. Als Almut Tempka in die Öffentlichkeit ging, kam es zu zahlreichen Einzelgesprächen. Seitdem ist es aus „technischen Gründen“ nicht mehr möglich, Reparaturschäden unter Ziffer „Z 48.8“ zu dokumentieren.

Wie viel Murks von Arztpraxen und Krankenhäusern still und heimlich ausgebügelt wird und was dies die Solidargemeinschaft kostet, bleibt damit weiter im Dunkeln. Doch auch ohne Reparaturbedarf versickert an den Nahtstellen zwischen den beiden Blöcken viel Geld durch schlichte Wiederholung. Patienten, die der Arzt geröntgt hat, werden im Krankenhaus halt noch einmal durchleuchtet.

In den Praxen, mit gut 44 Milliarden Euro der zweitgrößte Kostenblock für die Krankenversicherungen, wird an vielen Stellen routinemäßig geklotzt. Zum Beispiel beim Volksleiden Rückenbeschwerden: „Bei unkomplizierten Kreuzschmerzen bringen zusätzliche bildgebende Verfahren keinen diagnostischen Mehrwert“, stellen die Medizinerleitlinien klar. Dennoch müssen die Kassen dem GKV-Spitzenverband zufolge jährlich die Kosten für 6,7 Millionen Röntgenbilder, 700000 Computertomografien und 1,2 Millionen Kernspinaufnahmen allein wegen Kreuzbeschwerden erstatten. Nach einer Studie könnten fast 80 Prozent dieser Rückendurchleuchtungen überflüssig sein. Der Kassenverband schätzt die Verschwendung allein in diesem Punkt auf rund 275 Millionen Euro pro Jahr.

Für diese Mengenmedizin haben Ärzte gleich drei Motive: Sie können mehr Leistungen abrechnen, dem Patienten als „Halbgott in Weiß“ Hilfe versprechen, und sie müssen sich im Ernstfall nicht wegen unterlassener Behandlungen rechtfertigen. Jonitz kennt solch rituelle Medizin: „Diagnostische Leistungen dienen manchmal auch allein dazu, sich gegen eventuelle Schäden abzusichern oder für den Patienten Gewissheit zu fördern – auch das ist ein Kostenfaktor“, sagt er.
Aber Jonitz weiß auch: „Wir haben eine gravierende Fehlsteuerung bei den Anreizen.“ Die Branche in den weißen Kitteln kassiert eben nicht für Heilung, sondern für Behandlungsmengen.
So erreicht ein Bundesbürger laut Arztreport den Rekordwert von jährlich 18,1 Praxisbesuchen. Ein medizinischer Marathon – doch längst nicht in allen Disziplinen kommen die Deutschen als Erste ins Ziel. „Bei den zu erwartenden gesunden Lebensjahren liegt Deutschland im hinteren Mittelfeld“, stellte der Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung 2008 in einer Studie über den Wachstumsmarkt Gesundheit fest. Und während Ärzte in anderen Ländern für jeden Patienten in ihren Praxen zwischen elf und 19 Minuten aufbringen, sind die Deutschen dem Arztreport zufolge nach 7,8 Minuten schon wieder draußen.

„Wir können Effektivitätsreserven heben – aber der Staat muss uns dabei unterstützen“, appelliert Karl-Dieter Voß, Vorstand des GKV-Spitzenverbands. Dabei hat er vor allem eine Branche im Visier. Die Pharmaindustrie verschlingt den drittgrößten Posten des gesamten Krankenversicherungsbudgets, im vergangenen Jahr flossen an die Apotheken als Verkäufer insgesamt 31 Milliarden Euro. Trotz konstanter Menge wuchsen die Arzneimittelausgaben um 5,6 Prozent. „60 Prozent des Ausgabenanstiegs bei Arzneimitteln gehen auf sogenannte Solisten zurück, angeblich innovative Mittel ohne Therapiealternativen“, rechnet Voß vor: „Aber zum Teil sind es bloß Heilsversprechen, die über Ärzte verbreitet werden.“ Ist ein solches Medikament erst einmal zugelassen, dürfen die Unternehmen in Deutschland selbst bestimmen, wie viel sie dafür verlangen.

„Der Hersteller setzt den Preis für Innovationen fest, wie in anderen Branchen auch“, verteidigt Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA), das Terrain der Hersteller neuer Medikamente.

Den will jetzt auch Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) eindampfen: „Bei den hochinnovativen Medikamenten müssen auch Kosten und Nutzen überprüft werden“, sagte er jüngst in einem Zeitungsinterview. Unter Zugzwang äußern sich die Produzenten der innovativen Medikamente kompromissbereit: „Wenn die Politik uns grünes Licht gibt, sehe ich keine Hürden, dass noch in diesem Jahr Verträge geschlossen werden“, sagt Yzer. Voß bleibt nach den vergeblichen früheren Vorstößen skeptisch: „Wir werden sehen, ob den Ankündigungen Taten folgen.“

Am Arzneimittel Lucentis des Pharmariesen Novartis zeigt sich, welche Summen bei den Preisrunden auf dem Spiel stehen. Das Medikament gegen das Augenleiden der altersbedingten Makuladegeneration AMD verdrängte das weit billigere Darmkrebsmittel Avastin, das sich auch gegen AMD bewährt hatte.
Weil dessen Basler Hersteller Hoffmann-Laroche – zu einem Drittel zum benachbarten Novartis-Konzern gehörend – keine Zulassung beantragt hatte, durfte es nur so lange offiziell verordnet werden, wie kein genehmigtes Präparat existierte.

Der Solist Lucentis erwies sich für Novartis, der im vergangenen Jahr 7,5 Milliarden Euro Gewinn mit 32,5 Milliarden Euro Umsatz machte, als äußerst segensreich: Die Behandlung eines Patienten kostet laut Arzneiverordnungsreport 2008 jährlich 18279 Euro, für Avastin veranschlagt er nur 266,50 Euro. Bei rund 500000 deutschen Erkrankten ergäbe sich rechnerisch ein Sparpotenzial von rund neun Milliarden Euro.

Sollten Rösler und die Kassen der Branche tatsächlich deutliche Zugeständnisse abhandeln, könnte sie die Einbußen bei Preisen an anderer Stelle wettmachen: Nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey von Dezember 2009 produzieren gute Pharmafirmen rund 50 Prozent billiger als die Konkurrenz – und bei weniger Fehlern.

Im Poker um die Gesundheitseuro spielen auch die Krankenversicherten mit. Jeder einzelne will für sein „höchstes Gut“ das Beste: tolle Fachärzte, ein top Krankenhaus, die meisten Massagen. Als Laien können sie jedoch selten zwischen sinnvollen und unnützen Angeboten unterscheiden. Die Zeche für eine solch verbreitete „Flatratementalität“ zahlen zunächst die Krankenversicherer, am Ende aber müssen die Bürger blechen: über steigende Beiträge und größere Eigenanteile – schlimmstenfalls auch mit ihrer Gesundheit. Axa-Manager Schlösser urteilt: „Es gibt keinen Teilbereich unserer Wirtschaft, wo der Konsument so unmündig ist wie die Patienten im Gesundheitswesen.“

Die Bandagen werden auch aufseiten der Krankenversicherer härter: Gesetzliche wie private Anbieter drängen darauf, den „Selbstbedienungsladen“ im Gesundheitswesen aktiv zu managen.

„Wir wollen wesentlich stärker eingreifen“, gelobt Roland Weidmann, Abteilungsdirektor bei der Huk-Coburg. Nicht zufällig heißt ihre neueste „Select“-Krankenversicherungspolice wie der gleichnamige Autoversicherungstarif, der die Kunden an ausgewählte Reparateure bindet. Von solcher „Werkstattbindung“ sollen jetzt auch Privatpatienten profitieren. Sie sparen mehr als 20 Prozent gegenüber den klassischen Tarifen, wenn sie sich von Huk-Vertragsanbietern behandeln lassen und auf die freie Arztwahl verzichten. So gewinnt Weidmann Verhandlungsmacht, um von Krankenhäusern Qualitätsnach weise zu fordern, günstigere medizinische Versorgungszentren statt Einzelpraxen auszuwählen, mit Pharmafirmen um Rabatte zu pokern und Doppeluntersuchungen auszuschließen.

Auch als Beistand der Patienten spielen die Kassen eine zunehmend aktive Rolle. Lange mussten Kranke einen Streit ganz allein durchfechten, wenn sie Opfer der ärztlichen Kunst geworden waren. Jetzt ruft in Schleswig-Holstein das AOK- Institut Medizinschaden zum Aufstand gegen verpfuschte Behandlungen auf: Mehr als 200 Fälle jährlich haben sie mit Patienten in dem kleinen Bundesland bisher durchgefochten, immerhin jede vierte Beschwerde hatte Erfolg.

Solche Nachweise sind mühsam, selbst wenn die Fakten klar erscheinen wie etwa bei der Operation, bei der die linke mit der rechten Köperseite verwechselt wurde.
„Ärztehaftpflichtversicherungen lehnen fast regelmäßig die Zahlung ab“, berichtet Institutsleiter Holger Thomsen. Die Delinquenten können oft auf Unterstützung aus dem ärztlichen Berufsstand zählen. „Falsche Gutachten aus kollegialer Rücksichtnahme machen uns das Leben unnötig schwer“, sagt Thomsen. Selbst der Bundesgerichtshof rief die Juristen mehrfach dazu auf, bei ihren Urteilen „gelegentlich auch kollegenschützende Haltung medizinischer Sachverständiger“ zu berücksichtigen.

Derartige Hinweise hätten auch den Spinas geholfen. Die kamen erst Monate nach Lucas Geburt von einem Arzt im Kinderzentrum München. Er klärte über die Fehler im Krankenhaus auf und riet den Eltern zur Klage.
Anders als in vielen anderen Fällen hat Lucas Versicherer den Anspruch grundsätzlich anerkannt. Dennoch streiten sich die Eltern mit ihm über das Ausmaß der Entschädigungen: Es geht um sechsstellige Summen als Schmerzensgeld und Schadenersatz sowie laufende Kosten von mehreren Tausend Euro – Monat für Monat. Die Klinik habe sich seit der Geburt nicht gemeldet: „Entschuldigt hat sich bei uns niemand“, sagt Gisela Spina. „Aber den Verantwortlichen zu vergeben – das kann ich mir sowieso nicht vorstellen.“


Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe März 2010

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Leserkommentare
Ausgenommener (WWW) 24.06.2010
Die Pharma-Industrie bricht das Geld für Medikamente in Deutschland den lebenden vom Knochen und zwar solange, bis das Blut erstarrt und unsere Politiker und Gestzgeber, gucken dem Ganzen schweigend zu.... oder kann jemand erklären, warum der Deutsche z.B. die Medikamente in Spanien subventioniert? EU-Solidaritätsgedanke für schwache Länder die demnächste die EU-Überlebensspritze zum Fortbestand benötigen?
.
Nein, Danke, Deutschland geht unter (nicht nur mit den Migrationsproblemen)...
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MERKEL NEIN DANKE!
.
Eine Frau regiert das Land zu Asche aufgewachsen im glorrreichen Sozialismus unter Erich & Wolf & Co. (ink, Mielke & Co.)
B. Engelhard (Neustadt) 13.04.2010
Sehr wahrscheinlich gäbe es ein enormes Einsparungspotential (mit zugegeben wohl vielen überflüssigen Mitarbeitern) wenn es nur eine einzige Zuständigkeit für die Gesundheit gäbe - nämlich im Sinne der Abschaffung von Zuständigkeitsproblemen. Wenn es egal wäre, ob ein Unfall oder eine Krankheit vorläge und es keine Streitigkeiten zwischen Krankenkasse und Pflegekasse oder Erwerbsunfähigkeitsrentenkassen gäbe, sondern es nur entscheidend wäre ob, und wenn ja wie jemand eine Leistung braucht, könnten auch sekundäre Kosten gespart werden, weil dann unsäglich lange dauernde Prozesse welcher Träger nun aufkommt einfach entfielen. Der Mensch ist behandlungsbedürftig und fertig. Die Frage, ob jetzt die Berufsgenossenschaft (die die Arbeitgeber alleine finanzieren) oder die Rentenkasse zahlt oder noch Krankheit oder schon Pflegebedarf vorliegt, wäre dann passé. Tausende Stellen und teure Verwaltungen könnten dann eingespart werden.
Die Versicherung sollte mE aber schon unter Wettbewerbsbedingungen von jedem verpflichtend abgeschlossen werden, so dass jeder versichert ist und wer mehr Luxus möchte (Einzelzimmer oä) dies dann eben zusätzlich bezahlt. Basis für jeden, Extras gegen zusätzliche Beiträge.

Dann hätten wir genug Geld im System, dass Ärzte für ihre oft hingebungsvolle Arbeit zu anständigen Bedingungen arbeiten könnten und nicht auswandern oder die Praxis schließen müssen, weil die Existenz durch das jetzige "System" ruiniert wird.
Schmid / Augenarzt (Langenfeld) 28.03.2010
"Aber Jonitz weiß auch: „Wir haben eine gravierende Fehlsteuerung bei den Anreizen.“ Die Branche in den weißen Kitteln kassiert eben nicht für Heilung, sondern für Behandlungsmengen."

DAS ist F A L S C H !!!

Seit Jahren sind die PAUSCHALEN Beträge, die die Krankenkassen bereit sind für die Versorgung ihrer Versicherten zu zahlen GESUNKEN. Zum Beispiel zahlten die Kassen in Nordrhein für die Behandlung eines Kranken in einem Quartal (3 Monate) vor einem Jahr MAXIMAL 21,42 Euro. Jetzt sind wir bei 16,72 !!!

Das ist der brutto Umsatz MAXIMAL für 3 Monate Arbeit - egal was man macht, egal wie oft der Patient in der Praxis behandelt wird.

Das Gebot der Stunde ist in allen Praxen: SO WENIG, WIE MÖGLICH machen.

Herr Jonitz hat (wie viele Politiker) erzählt absichtlich Lügen.
dr.wacker (mönchengladbach) 28.03.2010
wir leben mittllerweile in einem land,in der das gesetzliche gesundheitswesen nicht mehr wirklich existiert!
der erstkontakt eines patienten ist schon nicht mehr kostendeckend.die stattliche summe von 22.- euro pro hno-patient eines quartals halbiert sich nach dem 1200. patienten und halbiert sich erneut ab dem 1600.patienten.
so behandelt man als grosse einzelpraxis bis zu 500 patienten für5,50 euro,
ein röntgenbild einschl.fachärztlicher befundung wird mit 0,80 euro entlohnt.....wo liegt der sinn für irgendeine mengenausweitung im ambulanten sektor,wobei im hno-bereich keinerlei zusatzsummen bei konservativer tätigkeit hinzukommen......ich behandle weiterhin jeden patienten,jedoch nicht aus wirtschaftlichen aspekten sondern ausschließlich aus ethischer grundeinstellung und verbitte mir unsägliche artikel wie diesen!
Dr. med. Silke Lüder (Hamburg) 28.03.2010
Der Beitrag von Frau Herden und peinlicherweise auch der Kommentar der Ärztekammerchefs von Berlin Jonitz( Klinikarzt) zechnet sich leider durch völlig Unkenntnis des ambulanten Vergütungssystems für Arztpraxen aus.
Seit 2007 gibt es für Arztpraxen nur noch niedrige Pauschalen für die gesamte Behandlung eines Patienten im Quartal. ( Hausarzt ca. 35 Euro inclusive aller Hausbesuche, Hautärzt Nordrhein z.b. 14 Euro im Quartal etc,für alle Röntgenbilder im Quartal bekommt ein Orthopäde die gigantische Summe von 7,40)Somit fällt die Steigerung von Leistungen als Anreizsystem weg. Wir sind gezwungen viele Patienten in kurzer Zeit zu behandeln um nicht pleite zu gehen. Dieses kranke und intransparente System, in dem immer mehr Geld im Kassenapparat in der Kontrollitis versickert) hat sich die Regierung damals ausgedacht und vom Bundestag absegnen lassen.Im Gesetz ist die Vergütungsordnung bis ins Detail vorgeschrieben worden. Die Verantwortung für diese komplette Fehlentwicklung liegt also bei der Politik.50 % unserer Medizinabsolventen gehen wesentlich auf Grund dieser Fehlentwicklung ( Patient als Massenabfertigungsprodukt in Klinik und Praxis) nicht mehr in den Arztberuf, und der kommende Ärztemangel wird unsere Versorgung erst richtig " killen"
Dr. Lüder Hausärztin
Lars Jenne (Kiel) 28.03.2010
Lucas sehr tragischer Fall ist symptomatisch dafür, dass eben unter den in den Deutschen Krankenhäusern herrschenden Bedingungen keine Ärzte mehr arbeiten wollen. Es gab schlicht keinen versierten Arzt in dieser Schicht. Weil der längst gute Bedingungen in Schweden/ Schweiz / Dänemark gefunden hat. Und anstatt völlig aus der Luft gegriffenen "Wirtschaftlichkeitsreserven" zu heben, sollte auch die Presse mal anfangen zu begreifen, dass es so nciht weiter gehen kann, wenn man auch in 5 Jahren noch kompetente Ärzte haben will in Deutschland.
Ansonsten ist schon erschreckend, wie wenig über die realität auch Autoren bekannt ist, die solche ARtikel schreiben. Redet Ihr eigentlich manchmal mit Ärzten? Macht doch mal. Vielleicht kommt ja was ganz anderes raus als raus. Und fangt doch mal damit an rauszufinden, was denn 18 vermutete Arztbesuche eigentlich kosten. Und dann vergleicht das mit den Kosten von 18 Arztbesuchen anderswo. Muss ja nicht gleich Amerika sein, nehmt einfach Österreich, oder Indien. Bin gespannt.
Karl Popper (Boston) 25.03.2010
schreiben sie doch lieber mal einige artikel über gierige banker oder juristen die siebenstellige gehälter nach haus tragen. auch diese kosten sickern über produkte und dienstleistungen an den verbraucher durch!

das lohndumping bei der ärztevergütung muss und wir ein ende haben. wir lassen uns nicht mehr mit peanuts abspeisen.
3900 € im monat für einen promovierten arzt im ersten jahr an der uniklinik, da lachen sich banker, consultants oder juristen doch nur kaputt und starten mit weit über 100.000 € im jahr plus dienstwagen und boni. diese benachteiligung werden wir beeneden. in diesem fall hilft nur druck, wir sollten die krankenhäuser mal für 1, 2 wochen schliessen und dann kann die gesellschaft entscheiden was ihr ärzte im vergleich mit bankstern, consultants und advokaten wert sind!

Janos (Düsseldorf) 24.03.2010
Zitat:
"im vergangenen Jahr flossen an die Apotheken als Verkäufer insgesamt 31 Milliarden Euro"

Frau Herden scheint hier nicht den grundlegenden Unterschied zwischen Umsatz und Erlös zu verstehen, oder nicht verstehen zu wollen! Bei 21000 Apotheken müssten die Apotheker ja geradezu im Geld schwimmen.
Es wäre auch erwähnenswert, dass Apotheker bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten keine Umsatzrendite im eigentlichen Sinn haben, sondern pro verkaufter Packung Medikamente bezahlt werden.
Ich hätte mir gerade vom Cicero eine differenziertere und besser recherchierte Berichterstattung erwartet!
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Ingrid Herden
Ingrid Herden ist freie Autorin für die Wirtschaftswoche und Die Zeit. Die Expertin für Versicherungs- und Gesundheitswesen lebt in Köln


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