Cicero Startseite | RSS-Feed | Facebook | Twitter | Kontakt | Abo | Als Startseite festlegen
 Anzeige
druckenIhre MeinungArtikel versenden
zoom
Eine nette Beerdigung
von Klara Mittag

Bei den diesjährigen Festpielen in Bayreuth wird nur einer fehlen: Wolfgang Wagner. Auf seiner Beerdigung flossen keine Tränen. Kein Wunder, es handelte sich lediglich um die Inthronisation seiner Töchter Katharina und Eva. Der Rest der Familie trauerte am Rande.

Die junge Frau mit dem roten Pferdeschwanz und dem festen grauen Hosenanzug reißt die grünen Augen weit auf, blickt in die Kamera, spannt die Lippen zu einem Lächeln und beginnt zu sprechen: „Alle glücklichen Familien, meine Damen und Herren, so schreibt schon Tolstoi, ähneln einander irgendwie; jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art glücklich. Die Nachkommen des großen Komponisten Richard Wagner …“
*

„Cut“, unterbricht sie der Kameramann, „sorry, technischer Fehler, habe Schärfe verloren. Am besten, wir wechseln auch gleich den Akku.“
Die junge Frau zieht eine kleine Karte aus der Jackentasche und überfliegt noch einmal ihren Text. „Irgendetwas mit dem Glück in der Familie kommt mir hier komisch vor“, sagt sie, „hoffentlich hat die Redaktion das Zitat auch richtig gecheckt.“
*

Es ist Sonntag, der 11. April 2010, kurz vor 15 Uhr, das Fernsehteam steht unter dem Balkon des Festspielhauses in Bayreuth, in einer Stunde soll der feierliche, der offizielle, der traurige Akt beginnen, in dem sich die geladenen Gäste, wie es Horst Seehofer, der Ministerpräsident von Bayern, in seiner Ansprache dann etwas möglicherweise ungewollt missverständlich sagen wird, „ein letztes Mal vor Wolfgang Wagner verneigen“.
Hier auf dem Hügel ist es empfindlich, fast prickelnd kalt. Vor ein paar Stunden hat es im Fichtelgebirge noch geschneit. Die paar Dutzend Schaulustigen aus der Stadt haben sich in raupenhafte, meist dunkel wattierte Anoraks gekleidet und halten sich warm, indem sie das Festspielhaus in gemessenen Schritten umkreisen und nur kurz pausieren, um die großen, bunten Kränze zu begutachten, die ihnen aus den hohen Fensterportalen neben dem Haupteingang entgegenblicken. Hinter den Scheiben trägt die Trauer prominente, der Stadt bekannte Namen auf der Schleife: ein mächtiger Verband der Freunde Bayreuths kondoliert, desgleichen ein wichtiger, in seinem Geschäft allerdings spektakulär gescheiterter Bankier. Ein Freund, mehr noch, ein Vorsitzender der Freunde. Und gerade durch die Blickrichtung der majestätischen Blumengebinde nach außen stellt sich schnell der Eindruck einer Wagenburg ein: Dieses Haus wird bewacht!
„Ich schwenke also von dieser Fahne auf Halbmast runter auf dich“, ruft der Kameramann, „vielleicht solltest du da nicht gerade lächeln, weil, du fängst ja an mit diesem Satz von den unglücklichen Familien. Aber mit der Schärfe habe ich jetzt kein Problem mehr. Schön wär’ noch, wenn ich ein paar mehr Menschen einfangen könnte.“
*

Von der Trauerfeier Siegfried Wagners, des Vaters von Wolfgang, im August 1930 existierte noch ein Dokumentarfilm, der selbst in den Farben Schwarz und Weiß noch einen Eindruck von glitzerndem Pomp funèbre vermittelt. Von Menschen, die an der Straße Spalier stehen und knicksen oder ihre Hüte ziehen, als die offene Kutsche mit dem Sarg vorbeigezogen wird.
Auch die Trauerfeier von Wolfgangs älterem Bruder Wieland, im Oktober 1966, ist reichlich in Bildern dokumentiert. Der Sarg stand auf der Bühne, deren eiserner Vorhang herabgelassen worden war. Die hinteren Tore des Gebäudes waren weit geöffnet, von hier aus strömten die Bürger der Stadt ins Festspielhaus, um in langen Reihen am Sarg vorbeizudefilieren. Während der Feier saßen die Trauergäste, die Familie und die Geladenen, auf einer Tribüne zur Rechten, das Orchester auf einer Tribüne zur Linken des Katafalks. Am eisernen Vorhang hingen viele Dutzend Kränze, ihren Blütenschmuck hielten sie dem Sarg und nicht dem fremden Betrachter entgegen.
An diesem kalten, auch im Festspielhaus kalten Sonntagnachmittag im April des Jahres 2010 steht auf der Bühne kein Sarg, der Raum gehört den Musikern. Der Graben, um es annähernd biblisch zu wenden, bleibt somit leer, ein schwarz-weißes Foto des Helden schwebt mittig über den Musikern.
Die ersten drei Reihen im Publikum sind für die besonders prominenten Trauernden reserviert, die Trauernden, die eine grüne Eintrittskarte vorweisen können. Weniger prominente Trauernde erhielten eine blaue Einlasskarte. Die Namen der prominenten Trauernden kleben unter den hochgeklappten Sitzen, das zwingt einige der Auserwählten, das Festspielhaus ist kein Paradies der Bestuhlung, zu unschön gezwungenem Bück- und Bürzelverhalten.
*

Trauerfeiern sind Inszenierungen. Wenn sie in der Welt der Oper aufgeführt werden, können es ganz besonders spektakuläre Inszenierungen werden. Das Bekenntnis zum Schmerz hat in diesem Genre schließlich Tradition. Große Gefühle verlangen nach künstlerischer Fassung, nach Außendarstellung.
Die Bayreuther Festspiele haben als Institution mit ihrer Außendarstellung seit geraumer Zeit eine Reihe von Problemen. Einen Teil davon führen manche Beobachter auf die zu großzügige Verwendung eines roten Teppichs zurück, der vor einigen Jahren als Auslegware angemietet wurde. So ein roter Teppich lockt wie eine Leimrute auch Besucher, deren Kostümierung bereits andeutet, dass es hier nicht ausschließlich der Kunst gilt.
Dem ist allerdings entgegenzuhalten, dass viele offizielle Gäste, die sich Jahrzehnte vor Einführung des Teppichs auf dem Hügel einfanden, genauso süchtig nach Aufmerksamkeit, doch weitaus ungustiösere Erscheinungen waren. Die zeitgenössische Prominenz, mag sie Angela Merkel heißen oder Thomas Gottschalk, Roberto Blanco oder Franz Beckenbauer, mag sich schlechteren Schneidern fügen. Aber politisch geht von ihr keinerlei charismatische Bedrohung aus. Und Franz Joseph Strauß, der Volkstribun, so erinnert sich ein früherer Mitarbeiter in der Staatskanzlei, schützte sich vor dem verführerischen Zauber der Wagner’schen Musik durch das laute Abspielen bayerischer Defiliermärsche auf der Hin- und auf der Rückfahrt in seinem gepanzerten Dienstwagen.
Der frühere Mitarbeiter aus der Bayerischen Staatskanzlei gestattete die Verbreitung dieser persönlichen Mitteilung naturgemäß nur unter der Zusicherung seiner absoluten Anonymität. Über Bayreuth, über das Innenleben der Festspiele, dringt nur das dürftige, das nicht dementierbare Notwendige nach außen.
*

Dafür zuständig ist ein noch von Wolfgang Wagner grob jovial geprägter Stil der Informationspolitik. Gestalt geworden ist diese Politik durch den Pressesprecher, durch Herrn Emmerich, einen, wie kürzlich auch öffentlich bekannt wurde, langjährigen Mitarbeiter der Stasi der ehemaligen DDR. Emmerich wurde schon vor der Wende von Wolfgang Wagner engagiert und wird seinen Posten als Pressesprecher wohl auch unter der neuen Leitung nicht verlieren. Er kennt die Geheimnisse des Hauses und weiß sie zu schützen. Als Pressesprecher kann man sich entweder bei Journalisten beliebt machen oder bei seinem Arbeitgeber. Emmerich, schenkt man den Zeugnissen der aus Bayreuth berichtenden Pressevertreter Glauben, hatte angesichts seiner politischen Biografie nur eine sehr eingeschränkte Handlungsfreiheit. Er macht von ihr Gebrauch, sagen diese Pressevertreter, indem er versucht, die Journalisten an allerkürzester Leine zu führen. Hier band sich offenbar zusammen, was der Intention des Arbeitgebers nach zusammengehörte.
Der Festakt für Wolfgang Wagner macht für die Vertreter der öffentlichen Meinung keine Ausnahme. Zur Trauerfeier sind viele Berichterstatter erschienen, am stärksten vergrämt zeigen sich die Vertreter der Fernsehanstalten. Auf Geheiß der Festspielleitung dürfen sie die Veranstaltung nicht filmen, es ist ihnen allerdings gestattet, Filmmaterial zu kaufen, das eine der Festspielleitung genehme Produktionsfirma vertreibt. Im Angebot sind eine kurze und eine längere Version, deren Inhalt von den Abnehmern unter journalistischen Gesichtspunkten als eher dürftig betrachtet wird. Naturgemäß fehlt es dennoch nicht an Abnehmern.
Misslich ist für die Presse aber auch, dass sich, anders als zur Festspielzeit, die angereiste Prominenz mit wenigen Ausnahmen nicht öffentlich zeigt. Die in einem leicht verschmutzten Audi herbeigefahrene Bundeskanzlerin überwindet die kurze Stecke zwischen Bordstein und Eingang zum Betriebsbüro des Festspielhauses so hurtig wie eine austrainierte Dreispringerin. Dabei hat die Öffentlichkeit ihr Kommen gar nicht bemerkt. Weitgehend unbeobachtet bleiben auch die Auftritte des Bayerischen Ministerpräsidenten, des Staatsministers für Kultur und anderer, nicht weniger wichtiger Würdenträger. Nutznießer dieser Schattenspiele ist allein Klaus von Dohnanyi, ein ehemaliger Bürgermeister von Hamburg, der stellvertretend für alle künstlerisch, menschlich und politisch Betroffenen erläutert, welchen Verlust diese Feier für das deutsche Musikleben markiert.
*

Zu kurz gekommene Journalisten müssen sich mit kleineren Fischen begnügen. Der Reporter eines der Glitzerwelt verpflichteten Wochenmagazins verwechselt den Ehemann von Daphne Wagner, der Urenkelin von Richard Wagner, verwechselt also den Autor Tilman Spengler mit Tankred Dorst, dem Regisseur des in diesem Jahr zum letzten Mal aufgeführten „Ring des Nibelungen“ und bittet ihn um eine „persönliche“ Würdigung des Lebenswerks von Wolfgang Wagner.
Die Umstehenden bekommen nur Bruchstücke des Interviews mit, der sonst eher als virtuos bekannte Spengler weigert sich aber leider etwas unbeholfen, in die Rolle des Dramatikers Dorst zu schlüpfen, was zumindest Herrn Emmerich vor ein paar Probleme hätte stellen können. Äußerungen von Regisseuren stehen bekanntlich und verlässlich vertragsgemäß unter dem besonderen Schutz der Festspielleitung. Daher das beständige Gedruckse der Regisseure, dem sich bislang nur Christoph Schlingensief zu entziehen traute.
*

„Haben wir für später eigentlich auch irgendwelche echten Angehörigen aus der Wagner-Familie?“, fragt in diesem Augenblick die Reporterin mit dem roten Pferdeschwanz und dem festen grauen Hosenanzug ihren Aufnahmeleiter. „Da gab es doch einen fetten Streit um die Plätze. Wie immer in dieser Familie.“
*

Das deutsche Wort „Platz“ hat seiner Herkunft nach zwei Bedeutungen: Einmal bezeichnet es das Geräusch, das entsteht, wenn ein platter schwerer Körper auf den Boden fällt, wenn, so schreibt es das Wörterbuch: „etwas durch innere Gewalt zersprenget“. Zum Zweiten beschreibt es den Raum, „welchen ein Körper mit seiner Grundfläche einnimmt“. Bedeutungsverwandt ist auch das Verb „Plätzen“, das jenes Wörterbuch mit „Züchtigen“ und „Strafen“ in Verbindung bringt.
Bei dem Streit, den die Reporterin erwähnte, ging es um das Platzieren. Wolfgang Wagner wurde von seiner Schwester Verena, seinen beiden Töchtern Eva und Katharina und seinem Sohn Gottfried überlebt. Überlebt haben ihn auch Nichten und Neffen, darunter sein Patensohn. Wohin mit ihnen während der Zeremonie im Festspielhaus?
Es ist kein Geheimnis, dass sich die Familienmitglieder nicht stets mit jener Liebe begegnen, die man unter Blutsverwandten gern sähe. Trauerfeiern konnten da versöhnen oder weiter spalten. Bei Wieland Wagners Beerdigung saß die Familie geschlossen zusammen, genauso wie 1980, bei der Trauer um Winifred Wagner. Als 1991 Wolfgangs Schwester Friedelind starb, ließ, so erzählt es ein Familienhistoriker, der Festspielleiter seiner Tochter Eva über eine Sekretärin mitteilen, sie gehöre nur zur erweiterten Familie, daher sei ihr Erscheinen unerwünscht.
Das war wohl eines der Motive, die Gottfried und Nike Wagner bewogen, beim Festakt für Wolfgang Wagner auf ein Zeichen des Zusammenhalts zu drängen. Wie bei jeder standesgemäßen Trauerfeier sollte, so forderten es die beiden im Namen der anderen Verwandten, die Familie zusammensitzen. Das allerdings war nicht nach dem Geschmack der beiden Festspielleiterinnen. Sie ließen erklären, die Familie dränge es in Wirklichkeit nicht nach Zusammenhalt, sondern nur nach Nähe zu Frau Merkel. Diesem Drang dürfe man aber nicht nachgeben. So wurde für die Schwester des Verstorbenen, seinen Sohn, seine beiden Enkel, für Vettern und Cousinen jene abgeschiedene Loge zur Verfügung gestellt, in der sich zur Festspielzeit die Mächtigen dieser Erde, nach innen und außen gut abgesichert, dem Genuss der Veranstaltung hingeben.
Dem Ansinnen von Eva und Katharina wollten sich die meisten Familienmitglieder nicht fügen. So sah man aus dem Zuschauerraum in der Loge lange Zeit nur den lockigen Kopf von Tilman Spengler, ein, mit Verlaub, eher blasser Ersatz für Ludwig II. von Bayern, Adolf Hitler oder andere Machthaber, die vor ihm hier mehr oder weniger einsam gesessen hatten.
Erst kurz vor Beginn der Feierlichkeiten füllte sich dann die Loge, doch von direkten Angehörigen war kaum etwas zu sehen, hier eine einsame Nichte, dort eine Großnichte, voilà. Die Schwester des Verstorbenen wurde zwar von allen Rednern begrüßt, als leibliche Erscheinung blieb sie aber der Veranstaltung fern.
„Wie ein Spuk“, sagte später die Reporterin mit dem roten Pferdeschwanz, als sie über die Ereignisse sprach, von denen sie nicht berichtet hatte.
*
Hätten sich die Familienmitglieder, für die jene Loge reserviert war, auf die Trauerreden gefreut, zu Wielands Tod hatte immerhin Ernst Bloch bewegend gesprochen, wären sie allerdings auch in diesem Punkt enttäuscht worden. Schon Wolfgang Wagner war eher ein Mann der kurzen, aneinandergekoppelten fränkischen Ausrufe als der gebundenen Rede. Einen gewissen Gefallen fand er allenfalls noch an behördlichen Formulierungen, wie „auf Ihre Anfrage hin, die Bayreuther Festspiele betreffend, darf ich zu Papier bringen lassen …“
Die Redner, die den Verstorbenen an diesem kalten Sonntagnachmittag würdigten, schienen sich verabredet zu haben, die „Instanz des Welttheaterwesens“ als Rhetoriker nicht in den Schatten zu stellen. Der Oberbürgermeister von Bayreuth gab seine Rolle als Hüter eines Buches der guten Werke und der großen Auszeichnungen. Wem das zu schnell ging, dem wurde die Aufzeichnung der Verdienste durch den Bayerischen Ministerpräsidenten noch einmal in Kurzfassung wiederholt. Darüber hinaus gab Horst Seehofer aber auch noch zu Protokoll, Adolf Hitler, habe die Musik von Richard Wagner „missverstanden und missbraucht“, was manche der (verstorbenen) Familienmitglieder vielleicht mit Erleichterung, die Mutter des Betrauerten, also Winifred Wagner und ihre Freunde dagegen wohl mit Unverständnis und Missmut vernommen hätten.
Der Dirigent Christian Thielemann wiederholte, was er bereits in seinem Nachruf geschrieben hatte, doch er wiederholte es mit Wärme. Dann sprach ein Laborarzt aus Leipzig als Vertreter der Freunde Wolfgang Wagners. Ihn kannte die breitere Öffentlichkeit bisher nur aus akademischen Zusammenhängen epidemiologischer Natur, Themen wie der Gefahr von Cholesterin oder der Unverfänglichkeit des Passivrauchens. Die – ungewöhnlich ausführliche und zitatengefüllte – Ansprache des Mediziners blieb den meisten Reportern in Erinnerung, weil sie so nachdrücklich die Legitimation von Katharina Wagner als Festspielleiterin hervorhob. Nein, Wolfgang Wagner habe keine letzten Worte hinterlassen, berichtete der Mediziner, doch ein glückliches Lächeln, als seine Tochter ihn zum letzten Mal küsste.
Dieses bewegte poetische, hauchzart symbolische Bild rührte die Seelen der angereisten Reporter und Reporterinnen in ihren Berichten, auch die Agenturen trugen es in alle Welt. Es war der letzte Wortbeitrag, zu einer Dankadresse der Festspielleiterinnen kam es nicht. Die Veranstaltung löste sich in fast unziemlicher Hast auf.
Die Bundeskanzlerin entschwand mit ihrem Gatten zur Bürgerreuth, einem italienischen Lokal oberhalb des Festspielhauses. Der Ministerpräsident des Freistaats hatte sich auf seinen Weg zurück in die Politik gemacht, die Wege des Bayreuther Bürgermeisters blieben einer nicht sonderlich aufmerksamen Öffentlichkeit verschlossen. Eine offizielle Nachfeier schien somit nicht vorgesehen gewesen zu sein, die Inszenierung der Trauer um Wolfgang Wagner blieb ihrem kleinen Rahmen treu. Eva Wagner wurde später, Bayreuth ist eine kleine, zur Verbiesterung neigende Stadt, in der gern und verbissen geklatscht wird, Eva Wagner-Pasquier wurde mit ihrem Ehemann in einer Pizzeria gesehen, sie soll von aus dort eifrig telefoniert haben, berichteten die Zuträger des Boulevard. Eine Nichte des Verstorbenen soll sich im Bayerischen Hof über die Formlosigkeit der Inszenierung beklagt haben. Informanten der Lokalpresse wussten bereits, wer die langweilige Rede des Oberbürgermeisters geschrieben hatte, die wiederum dem Redenschreiber des Ministerpräsidenten zur Vorlage gedient haben soll.
*
Sieht man von der Musik Wagners und dem Dirigat Thielemanns ab, war das Geschehen zu kärglich, um den Berichterstattern Stoff für eine große Geschichte, für großes Kino zu liefern. Gut, dem einen Wochenredakteur verhalf ein spätes Abendessen am Tische der Reichen zu der Erkenntnis, dass Thielemann seine Stabführung bei Wolfgang Wagner erlernt habe, eine andere Reporterin glaubte sich verpflichtet, ein Töpfchen Häme auf Nike Wagner auszuleeren, die anderen Familienmitglieder kamen unbespritzt davon. Bei einer Trauerfeier, die auch als Inthronisation angelegt ist, müssen sich auch manche Journalisten schnell um eine günstige Platzierung bemühen. Der Hof lässt bekanntlich nicht mit sich spaßen. Nirgendwo.


Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe Juni 2010

» Heftarchiv
» Ausgabe bestellen
» Kostenloses Probeheft


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
Ihr Name  
Ihr Wohnort  
Ihre eMail  
Ihr Kommentar  
    senden
druckenIhre MeinungArtikel versenden
Leserkommentare
TreBon (HH) 26.07.2010
Wagner hat ja wirklich nette Mucke gemacht. Das ist aber 150 Jahre her. Was der Personenkult um irgendwelche Nachkommen und von Beruf Enkel(in)/Urenkel(in) Figuren soll erschließt sich mir nicht. Liegt es vielleicht daran das kulturell die Musik längst wo anders spielt?
Anzeige
 
Cicero-Sammelschuber - Jetzt bestellen!
RSS Feed
Abonnieren Sie Salon als RSS-Feed
abonnieren

randnotiz
Artikel aus
Ausgabe Juni 2010
» Heftarchiv
» Ausgabe bestellen
» Kostenloses Probeheft

Klara Mittag


Gebührende Prioritätensetzung
mehr lesen
Tschernobyl ist jetzt
mehr lesen
Der letzte Tatort aus Frankfurt
mehr lesen
Debatte
Warme Worte
mehr lesen
Mama, hilf!
mehr lesen
Weltbühne
Schluss mit den Ausreden
mehr lesen
Ruandas Wunderheiler
mehr lesen
Berliner Republik
Kultur ohne Hüter
mehr lesen
Tschernobyl ist jetzt
mehr lesen
Kapital
Die Politik fördert die Altersarmut
mehr lesen
Ein Computer mit vier Rädern
mehr lesen
Politsche Videos
Die alte Tante ist K.O.
Video anschauen
Barack Obama schwört den Amtseid und hält die Antrittsrede
Video anschauen
Leinwand
Banale, gelbe Bilder
mehr lesen
"Mit Busen ist es so..."
mehr lesen
Netzstücke
Der letzte Tatort aus Frankfurt
mehr lesen
Ein Jahr nach dem Luftschlag
mehr lesen
Bibliothek
Hilfe, die Aliens kommen!
mehr lesen
Der koschere Knigge VII: Rassenlehre
mehr lesen

 Magazin Cicero
Die aktuelle Printausgabe

Inhalt
Abonnement

 Service
Newsletter
abonnieren

anmelden

 Medien im Blick
Die tägliche
Presse-
Rundschau

weiter

nach oben