Langeweile & Bratwürste von Gideon Böss Bei der NRW-Wahlparty der Linken ging es eher gemächlich zu: Statt für die Wahl interessierten sich die Besucher mehr für Griechenland und Grillstand. Vorläufiges amtliches Endergebnis Cicero Online war auf den Wahlpartys in den Parteizentralen: Bei der CDU: Nicht mal das richtige Bier Bei der SPD: Die rote Braut - bestellt, aber wer holt sie ab? Bei der FDP: "Wir haben verstanden" Bei den Grünen: Die vernünftige Wahlparty Nordrhein-Westfalen ist weit weg. Irgendwo tief im Westen. Vielleicht erklärt das, warum die Wahlparty der Berliner Linken eher eine gemütliche, aber etwas langweilige Grillfeier ist und weniger ein Ort der großen Emotionen und jubelnden Parteianhänger. Zwar freut man sich um 18.00 Uhr pflichtschuldig darüber, die Fünf-Prozent-Hürde geschafft zu haben, doch der Jubel über das schwache Ergebnis der FDP scheint ehrlicher zu sein, als der über das eigene Abschneiden. Nachdem die Hochrechnungen zwischenzeitlich zeigen, dass es weder für eine schwarz-gelbe, noch für eine rot-grüne Mehrheit reicht, ruft ein Mann begeistert aus: „Jetzt müssen die mit uns reden!“ Doch eine wirkliche Euphorie will nicht aufkommen. Hin und wieder geht aber dennoch ein Raunen durch die Reihen. So etwa, als Cem Özdemir klarstellt, „die Grünen sind keine radikale Partei wie die FDP“, dafür erntet er zustimmendes Gelächter, doch schon einen Moment später wird es still, denn er setzt nach, „oder wie die Linke“. Zumeist schweigend und mit einer Bierflasche in der Hand wird weiter ferngesehen. Westerwelle erscheint auf dem Bildschirm. „Mövenpick-Demokratie!“, zischt eine empörte Frau. „Diktatur, nicht Demokratie!“, korrigiert jemand anderes. Beide sind sie alt, so wie die meisten hier. Das Wahlprogramm läuft im Hintergrund weiter, doch die Party-Besucher ziehen sich immer mehr Richtung Bratwurststand zurück. Als im TV ein Vertreter der Linkspartei spricht, dauert es danach Sekunden, ehe ein Höflichkeitsapplaus folgt. Über die aktuelle Wahl reden scheinbar nur noch Petra Pau und die Journalisten. Auf den Bierzeltbänken hingegen geht es um Griechenland und die Spekulanten. Nur einmal kommt kurz noch so etwas wie Aufbruchstimmung auf. Ein Parteivertreter betritt die kleine Bühne im Hof und stellt fest, was für ein erfolgreicher Tag das heute war. Applaus und Bier. Dann ist Sahra Wagenknecht im Fernsehen. Noch einmal Applaus. Schließlich spricht ein Vertreter der FDP, der Sender wird gewechselt. So vergeht die Zeit, in der ARD läuft die Fernsehlotterie. Im Hof des Karl-Liebknecht-Haus werden hin und wieder Hände geschüttelt oder später eintreffende Parteimitglieder umarmt. Man ist zufrieden. Zwei Genossen stehen vor der Preisliste am Bratwurststand. „Hat die Bratwurst nicht mal 1,20 Euro gekostet?“ „Nee, war immer 1,50 Euro.“ „Naja, bald ist eh die D-Mark zurück.“ „Und danach die Ostmark.“ Beide lachen. |
||||||||||
![]() |
Cicero Online exklusiv Aktuelle Ausgabe 09/2010 » Heftarchiv » Ausgabe bestellen » Kostenloses Probeheft |
| Ihre Meinung zu diesem Artikel |
| Leserkommentare |
| Nema () | 11.05.2010 |
|
Das ganze Problem in NRW ist doch: Eine radikale Änderung ist notwendig, die ganze Gesellschaft muss angesichts des demografischen und technischen Wandels auf eine ganz neue ökonomische und - auch wenn man das komisch klingt - moralische Grundlage gestellt werden, aber diese Radikale Änderung muss von den Leuten ausgehen, die voraussichtlich noch vom Alten profitieren. (Nicht 100% ernst nehmen.) |
|
| Yvonne Walden (41334 Nettetal) | 11.05.2010 |
|
Wer die Politik der bisher in NRW-Landtag verfolgt hat, kann eigentlich nur noch Die Linke wählen. NRW ist ein Bundesland mit Studiengebühren, die Kinder aus weniger begüterten Familien vom Studium abhält, zumindest abschreckt. NRW ist ein Bundesland, daß nach wie vor auf die Kohleförderung setzt, anstatt regerative Energien zu fördern. Die bisher regierenden Parteien haben es bis heute nicht vermocht, einen grundlegenden Strukturwandel im Ruhrrevier durchzuführen. In Gelsenkirchen beispielsweise ist die Arbeitslosigkeit gleichauf mit Städten und Regionen in den noch jungen Bundesländern. Warum also SPDCDUFDPGRÜNE wählen? Lediglich Die Grünen haben ansatzweise versucht, grundlegende politische Alternativen aufzuzeigen. Leider war die SPD zu konsequemtem Handeln (auch) in NRW niemals bereit. Also bleibt nur noch, Die Linken zu wählen. |
|
| Wolf (Erfurt) | 11.05.2010 |
| Wenn sich Linke über eine "Mövenpick-Diktatur" ereifern, wo die meisten dieser alten Säcke die letzte wahre Diktatur in Deutschland noch selbst mit verantwortet haben, kann man nur den Kopf vor Ekel schütteln | |
| Bernd (Berlin) | 11.05.2010 |
|
Umso stärker die FDP umso stärker die LINKE. Je schwächer die FDP umso schwächer die LINKE. Nachdenken! |
|
| Karl Mehner (Berlin) | 10.05.2010 |
|
Die Linke-Wahlparty zeig es doch, Politikverdrossenheit,daran abeiten die Linken doch, sie zu überwinden.Warum schweigt der Artikel von Böss, was Wagenknecht konkret gesagt hat!! |
|
| Nema () | 10.05.2010 |
| Das Ergebnis war sogar eher schwach, also absolut kein Grund zum Jubeln. | |
| Anzeige |
![]() |





