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Weltpresse-Rundschau vom
18.03.2010 Heute beschäftigen sich die Kommentatoren mit den Missbrauchs- Fällen in der katholischen Kirche sowie mit der Kritik aus Frankreich an der deutschen Wirtschaftspolitik. Zunächst jedoch einige Stimmen zum Thema Nahost und den israelisch-amerikanischen Beziehungen. Den jüngsten Raketenangriff auf Israel konnten die Zeitungen dabei noch nicht berücksichtigen. Die in London erscheinende Tageszeitung THE INDEPENDENT schreibt: |
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THE INDEPENDENT, LONDON |
| "Auch eine Woche nach ihrer Verkündigung erstaunen die Pläne Israels, in Ost-Jerusalem neue Häuser zu bauen. Mehr noch: Sie sind ein offener Affront. Sie sind nicht nur ein Präventivschlag in einer der am schwersten zu lösenden Fragen, dem israelisch-palästinensischen Konflikt. Sondern sie kamen nur einen Tag nachdem Washington in schmerzvollen Verhandlungen Einigkeit über die Annäherungsgespräche zwischen Palästinensern und Israelis erzielt hatte. Das Schicksal selbst dieser gemäßigten Kontakte steht nun auf der Kippe.", glaubt THE INDEPENDENT aus London. |
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THE GUARDIAN, LONDON |
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Die ebenfalls in London erscheinende Zeitung THE GUARDIAN sieht das Problem eher beim Präsidenten der USA, Barack Obama: "Er hat bisher keinen eindeutigen Erfolg in der Außenpolitik erzielt. Die Enttäuschung war aber auch vorbestimmt: Die geradezu messianischen Erwartungen an ihn könnten von keinem Sterblichen je erfüllt werden. Es ist Obamas erste Amtszeit und er hat wenig Erfahrung in der Außenpolitik. Wie sein Vorgänger gezeigt hat, kann das auch nicht von kompetenten Beratern aufgefangen werden.", schreibt der britische GUARDIAN. |
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KOMMERSANT, MOSKAU |
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Die russische Zeitung KOMMERSANT vermutet, dass die Triebfeder der amerikanischen Israel-Politik in der Innenpolitik liegt: „Die USA haben ihre Rhetorik in Bezug auf Israel inzwischen etwas gedämpft. Außenministerin Hillary Clinton erklärte sogar, es gebe überhaupt keine Krise zwischen den beiden alten Partnern. Das Weiße Haus dürfte dem Druck der jüdischen Lobby nachgegeben habe. Denn vor der Abstimmung im Kongress über die Gesundheitsreform ist die Regierung Obama an der Unterstützung dieser Gruppe äußerst interessiert. Außerdem kann Obamas Mannschaft vor den Kongresswahlen im November die Stimmen jener Senatoren und Kongressabgeordneten nicht ignorieren, die darauf bestehen, den Druck auf Israel zu beenden", prognostiziert die Zeitung KOMMERSANT aus Moskau. |
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SME, BRATISLAVA |
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Die slowakische Zeitung SME blickt auf die Entwicklung Palästinas und die Rolle, die Europa dabei spielt: „Die Entstehung eines palästinensischen Staates ist eine politische und moralische Notwendigkeit. Das Problem ist, dass heute niemand in der Lage ist, Israel eine Garantie dafür zu geben, dass dieser Staat nicht nur eine Basis für islamische Terroristen und arabische Nationalisten sein wird, die Israel vernichten wollen. Europa kann lediglich Druck auf Israel ausüben. Syrien oder den Iran konsequent dazu bringen, dass sie aufhören, Israel zu bedrohen, traut es sich nicht. Ohne eine derartige Garantie muss Israel aber berechtigterweise daran zweifeln, ob alle anderen Wege als der der bisherigen Siedlungspolitik nicht zu seiner Vernichtung führen.“, ist sich die Zeitung SME aus Bratislava sicher. |
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DAGENS NYHETER, STOCKHOLM |
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Die Reaktion der katholischen Kirche auf Berichte über Missbrauchsfälle kommentiert die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER so: "Dass die katholische Kirche ihre Organisation wahren will, durch die sie so lange überlebt hat, ist nicht erstaunlich. Aber nach der Enthüllung zahlreicher Missbrauchsfälle werden Reformen unausweichlich. Die Reaktion der Kirche hat aber etwas von kindlichem Trotz, nach dem Motto 'Das war ich nicht – oder zumindest nicht nur ich'. So wird darauf verwiesen, dass es auch in anderen Glaubensgemeinschaften Missbrauch gibt und Pädophilie ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Für die Opfer ist das jedoch kein Trost. Außerdem ist die katholische Kirche eine mächtige Institution mit zahlreichen Möglichkeiten, unangenehme Themen unter den Teppich zu kehren, und die Täter wissen, dass sie von oben geschützt werden.", urteilt DAGENS NYHETER aus Stockholm. |
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BERLINGSKE TIDENDE, KOPENHAGEN |
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"Der Papst will jetzt einen Hirtenbrief verschicken. Viel besser wäre ein aktiverer Führungsstil gegenüber den ertappten Sündern", rät die Zeitung BERLINGSKE TIDENDE aus Kopenhagen. Sie schreibt weiter: "Man sollte im Vatikan eine Aufhebung des Zölibats in Erwägung ziehen. Theologisch besteht hierfür kein Hindernis. Die Missbrauchsfälle sorgen für Schlagzeilen, aber offenbar hat die Kirche keine Angst vor den Folgen. Vielleicht liegt das an dem Selbstverständnis, das den Heiligen Stuhl umgibt. Veränderung aber steht nicht auf der Agenda des Vatikans." , meint die dänische Zeitung BERLINGSKE TIDENDE. |
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EL PAÍS, MADRID |
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EL PAÍS aus Madrid fordert: "Päderasten innerhalb der katholischen Kirche müssen die gleiche Behandlung erfahren wie Täter innerhalb der übrigen Gesellschaft. Das wäre nur gerecht. Immerhin handelt es sich bei der Kirche um eine Institution, die auch Unterstützung vom Staat in Form von Steuern erhält. Die Täter müssen von ihrer Arbeit ausgeschlossen und gezwungen werden, ihre Opfer um Verzeihung zu bitten – und sie müssen nach geltendem Recht verurteilt werden." Das war ein Kommentar der spanischen Zeitung EL PAÍS. |
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DERNIÈRES NOUVELLES D'ALSACE, STRAßBURG |
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Die DERNIÈRES NOUVELLES D'ALSACE aus Straßburg gehen noch einmal auf die Kritik der französischen Wirtschaftsministerin Christine Lagarde am Kurs der deutschen Wirtschaft ein: "Lagarde fordert von Deutschland, seinen Binnenkonsum zu erhöhen, anstatt alles auf den Export zu setzen. Doch dies ist genau so unpassend wie gestern die Schmährede von Bundeskanzlerin Merkel vor dem Bundestag. Die Kanzlerin beharrt auf den 'klassischen' wirtschaftlichen Tugenden. Sie lässt Griechenland am langen Arm verhungern, droht sogar, ihm den Euro wegzunehmen - an dem die Deutschen heute so hängen wie einst an der Mark - und sie stempelt die Griechen als Klassenletzte ab. Mit diesen Äußerungen haben Paris und Berlin den Bogen überspannt.", analysiert die französische Zeitung DERNIÈRES NOUVELLES D'ALSACE. |
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NEUE ZÜRCHER ZEITUNG |
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Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG warnt: "Wer Deutschland wegen seines Erfolgs auf den Exportmärkten aufs Korn nimmt, begeht gleich einen dreifachen Denkfehler. Das grösste EU-Land erzielt zwar vier Fünftel seiner Aussenhandelsüberschüsse mit den EU-Staaten. Doch im Wettbewerb steht es nicht mit diesen, sondern mit der Welt, darunter mit dem aufstrebenden asiatischen Raum, wo jeder Produktionsvorteil ausgenutzt wird. Der enge Blick auf die Produktionskosten übersieht zudem, dass in Deutschland die massgeblichen Kennzahlen zu Forschung und Entwicklung weit über dem Niveau der übrigen Euro-Zone liegen. Dazu trägt wesentlich der industrielle Mittelstand bei, ein in der Krise stabilisierendes Rückgrat, das in Frankreich nur in Ansätzen vorhanden ist. Eher seltsam mutet schliesslich an, dass man sich in einem zunehmend global geprägten Wettbewerb in der EU nicht am Beispiel der Erfolgreichen, sondern am Rückstand der anderen orientieren soll." Soweit die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. |
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LES ECHOS, PARIS |
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Mit dem Vorschlag, man müsse Länder aus der Euro-Zone ausschließen können, verstoße Bundeskanzlerin Merkel gegen die Idee der europäischen Einigung, meint die französische Zeitung LES ECHOS. "Das ist ein besonders gewaltsamer Akt innerhalb einer politischen Konstruktion, die seit einem halben Jahrhundert auf dem Willen basiert, an einer gemeinsamen Unternehmung mitzuwirken. Natürlich hat die Kanzlerin nicht vor dem Europäischen Parlament, sondern vor deutschen Abgeordneten gesprochen, die einer Berliner Unterstützung für Athen besonders ablehnend gegenüber stehen. Aber ihre Rede steht dennoch für einen entscheidenden Moment. Der Euro sollte ein Anfang sein. Eine einheitliche Währung sollte zu einer Annäherung der Haushaltspolitik führen. Aber seither ist nichts getan worden." Mit diesem Kommentar aus der Pariser Zeitung LES ECHOS endet die internationale Presseschau. |
| Die Internationale Presseschau liefert der Deutschlandfunk für Cicero Online. |
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